Berlin : Erneut ein Selbstmordversuch in der Abschiebehaft

21-Jähriger schnitt sich mit einer Rasierklinge in den Hals

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Ein 21jähriger Häftling im Abschiebegewahrsam Grünau (Köpenick) hat versucht, sich am Montagabend in seiner Zelle das Leben zu nehmen. Er habe sich „Schnittwunden am Hals und über dem Kehlkopf zugefügt“, sagte eine Polizeisprecherin. Daraufhin habe der Mann, dessen Nationalität ungeklärt ist, Blut verloren. Er wurde operiert, sei aber zu keiner Zeit in Lebensgefahr gewesen.

Der Häftling hatte sich mit einer Rasierklinge die Schnittwunden zugefügt. Gefangene, bei denen keine Suizidgefahr vermutet wird, bekämen einen „Einmal-Rasierer“ aus Plastik vom Personal ausgehändigt, sagte eine Polizeisprecherin. Normalerweise würden diese auch wieder eingesammelt, „aber manchmal behaupten die Gefangenen, dass sie die Rasierer selbst entsorgt haben. Dies ist dann nicht mehr nachzuprüfen“, sagte die Sprecherin. Der Verletzte wurde im Laufe des gestrigen Tages wieder in seine Zelle verlegt. Er sitzt in Einzelhaft. „Zum Teil aus eigenem Wunsch, aber auch, weil sein Sozialverhalten in der Vergangenheit so schlecht war“, hieß es bei der Polizei.

Im Köpenicker Gewahrsam werden Ausländer, die sich unerlaubt in Deutschland aufhalten, bis zu ihrer Abschiebung untergebracht. Seit der Eröffnung 1995 haben Häftlinge wiederholt mit Hungerstreiks gegen die Haftbedingungen protestiert. Zudem haben sich Gefangene im vergangenen Jahr in mehr als 30 Fällen Selbstverletzungen zugefügt. Sofern ein Arzt ihnen daraufhin Suizidgefahr attestiert hatte, waren sie entlassen worden. Inwieweit im Einzelfall wirklich eine Selbstmordabsicht vorgelegen habe, sei schwer festzustellen. Möglich sei auch, dass einzelne Häftlinge auf diese Weise eine Entlassung erzwingen wollten. Daraufhin wurde angeordnet, dass die Häftlinge nach ihrer Selbstverletzung aus dem Justizkrankenhaus wieder in Haft kommen, sobald ihr Gesundheitszustand dies erlaubt.tabu

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