Berlin : Erneut fiel ein Mann aus einem Zug

Passagier stürzte aus dem Toilettenfenster

André Görke

Schon wieder fand die Polizei einen Toten im Gleisbett. Schon wieder ist der Mann aus einem fahrenden Eurocity gestürzt. Und schon wieder sind die ersten Fakten ziemlich mysteriös.

Nur zwei Tage nach dem Tod eines Berliner Lokführers in Lichterfelde, der bei Tempo 120 aus seinem Zug fiel, ereignete sich der zweite Vorfall am Samstag zwischen Karlshorst und Wuhlheide. Der Eurocity 74 „Warszawa-Express“ hatte gerade den Ostbahnhof verlassen, da wurde um 16.57 Uhr – zehn Minuten nach Abfahrt – auch schon die Notbremse vom Schaffner gezogen: Ein junger Mann, 23 Jahre alt und polnischer Staatsbürger, war aus einer Toilette in der ersten Klasse gestürzt – das Fenster war zertrümmert. Ein Verbrechen schloss die Polizei nach ersten Ermittlungen aus; der Mann war wohl allein in der Kabine. Wie er die massive Scheibe zerstört hat, ist unklar.

Eine Zeugin hatte den Vorfall gesehen und die Polizei per Handy alarmiert – sie saß im Regionalzug, der parallel zum EC 74 über die Gleise rollte. Der Schaffner hatte „Gerumpel“ gehört, als er aber das Klo öffnete, sah er nur die zertrümmerte Scheibe. „Der Fall ist sehr rätselhaft“, sagte ein Polizeisprecher. Der Mann war auf dem Heimweg nach Warschau, hatte einen Sitzplatz, seine Tasche lag im Zug.

Wie schon Donnerstagnacht, als die Fahrgäste nach dem nach wie vor rätselhaften Tod des Lokführers eineinhalb Stunden im Eurocity verharren mussten, geriet der Fahrplan völlig aus dem Takt. Wie ein Bahnsprecher mitteilte, waren die Gleise zwischen Karlshorst und Wuhlheide bis 19.38 Uhr gesperrt – die Linien der RE 1, RE 2, RE 7 und die RB 14 wurden unterbrochen oder über den Ring umgeleitet. Es kam zu erheblichen Verspätungen. „60 unserer Züge waren betroffen“, sagte ein Bahnsprecher.

Am längsten mussten allerdings die 140 Reisenden im „Warszawa-Express“ warten: 158 Minuten, gut zweieinhalb Stunden. Dann endlich ging es weiter – mit kaputter Scheibe und gesperrtem Klo. Zurück in Berlin blieben allerdings eine Menge Fragen. André Görke

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