Berlin : Erneut Geldautomat aus S-Bahnhof gestohlen

Vierte Tat geschah am Haltepunkt Messe-Nord Betreiberfirma leert jetzt alle Geräte in Stationen.

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Die Masche, ganze Geldautomaten aus S-Bahnhöfen zu stehlen, um an Bares zu kommen, wird immer beliebter: In der Nacht zum Mittwoch wurde ein solches EC-Gerät im Eingangsbereich des S-Bahnhofes Messe Nord in Charlottenburg entwendet. Die Betreiber-Firma ist während der vergangenen zwei Wochen schon zum vierten Mal betroffen und prüft nun einen Rückzug aus Berlin.

Wie die unbekannten Täter bei der jüngsten Aktion vorgingen, ist bislang noch unklar. Bemerkt wurde das Fehlen des frei im Raum aufgestellten Automaten erst am Mittwoch gegen 14 Uhr, als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma den Automaten mit Geld auffüllen wollten – aber ins Leere blickten. Nach ersten Ermittlungen war die elektronische Verbindung der Betreiberfirma mit dem Gerät schon in der Nacht zuvor gegen 3.40 Uhr abgebrochen. Das blieb aber laut Polizei unbemerkt.

Das Landeskriminalamt sichtet nun Bilder der Überwachungskamera und prüft, ob möglicherweise bei allen vier Taten die gleiche Bande am Werk war. Vor rund zwei Wochen geschah die erste Tat am S-Bahnhof Bundesplatz. Allerdings blieb es dort beim Versuch, weil das Gerät zu fest im Boden verankert war. Nur zwei Tage später stahlen Unbekannte dann einen Apparat am S-Bahnhof Hohenzollerndamm. Und in der Nacht zu Dienstag wurde ein ebenfalls nicht im Boden befestigter Automat im Untergeschoss des S-Bahnhofs Alexanderplatz abtransportiert. Dabei nahmen die Täter einen Palettenwagen zur Hilfe.

Die Firma Cardpoint aus Trier, welche die Geldautomaten in Berlin für eine Bank aufstellt und betreibt, will nun betriebswirtschaftlich abwägen, ob sich der Standort Berlin weiter lohnt. „Die Schadensfälle liegen für uns zu 90 Prozent in der Hauptstadt. Das betrifft die Diebstähle von ganzen Automaten genauso wie Vandalismus“, sagt Firmensprecher Andreas Raabe.

Neben etlichen Automaten an anderen Orten befinden sich 18 Geräte der Firma zumeist in den Vorhallen von S-Bahnhöfen. Als erste Reaktion auf die Vorfälle ließ die Firma alle Automaten an den Stationen entleeren, sodass sie nun für die Kunden nicht mehr nutzbar sind. Es sei nicht überall möglich, die Apparate im Bodenzu verankern. Andernfalls sind sie nur mit einem Spezialkleber am Boden und mit einem Kabel an der Wand befestigt.

Insgesamt ist dem Unternehmen laut Raabe ein Schaden von 130.000 Euro entstanden. Man sei zwar versichert, es gebe aber einen Selbstbehalt, außerdem steige die Versicherungsprämie. Raabe vermutet eine organisierte Bande, die sich auf diese Delikte spezialisiert hat. „Sie stehlen die Automaten, um sie später im Verborgenen aufzuschweißen“, sagte auch ein Ermittler dem Tagesspiegel.

Bankkunden müssten sich aber nicht sorgen, dass ihre persönlichen Kontodaten in die Hände Krimineller geraten, teilt Cardpoint mit. „Lesbare Kundendaten werden nicht auf dem Gerät gespeichert, sondern in der Rechenzentrale“, heißt es. Dies sei bei Geldautomaten seit 2007 vorgeschrieben.Tanja Buntrock

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