Berlin : Erneut Streik in den Bankfilialen

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Bankpersonal gilt nicht gerade als streikwütig. „Aber was zu viel ist, ist zu viel“, sagt Joachim Tonndorf, bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Banken zuständig. Verdi ruft für den morgigen Freitag zum Arbeitskampf auf. An vielen Bankfilialen in der Stadt werden die Kunden vor geschlossenen Türen stehen. Darunter vor denen der Sparkasse mit 170 Filialen in der Region, Volksbank (120), Commerzbank (90), Dresdner, Deutscher und Berliner Bank (je 80).

Protestiert wird gegen die laut Verdi „unannehmbaren“ Forderungen der Arbeitgeber. Diese wollen die Löhne der Filialangestellten auf ein Provisionssystem umstellen. Gesichert wären dann nur noch 65 Prozent ihrer bisherigen Einkommen. Den Rest müssten sich die Angestellten hinzuverdienen, zum Beispiel durch den Abschluss möglichst vieler Lebensversicherungen oder Bausparverträge. Außerdem soll der neue Banktarifvertrag den Unternehmen erlauben, in schlechten Zeiten auf die Auszahlung des 13. Monatsgehalts zu verzichten. Diese Zeiten sind angebrochen. Die Geldinstitute bauen in diesem und im nächsten Jahr bundesweit mehrere zehntausend Jobs ab. In Berlin wurden 2001 rund 50 Filialen geschlossen.

Als „Frechheit“ bezeichnet Verdi-Mann Tonndorf die Arbeitgebervorschläge. Er befürchtet, dass mit dem Provisionssystem die seriöse Beratung Schaden nimmt, weil sich die Angestellten damit nicht mehr an der tatsächlichen Einkommens- und Vermögenssituation der Kunden orientieren würden. „Die Mitarbeiter hätten immer die Frage im Hinterkopf , Wie kriege ich die höchste Provision rein?’“, sagt Tonndorf. Verdi rechnet für den morgigen ganztägigen Streik mit größerer Beteiligung als bei der letzten Aktion am 11. Juli, wo etwa 2000 der 28 000 Berliner Beschäftigten des Bankgewerbes auf die Straße gegangen und etwa 110 Filialen geschlossen waren. Die Banker demonstrieren am Freitag auf dem Wittenbergplatz. tob

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