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Erneuter Unfall : S-Bahn rammt Ast

Gerade einmal zwei Tage ist es her, dass in Berlin eine S-Bahn entgleiste. Nun hat es erneut einen Unfall gegeben: Eine S-Bahn der Linie 7 ist mit einem abgebrochenen Ast zusammengestoßen. Die Fahrgäste mussten rund zwei Stunden ausharren, bevor sie den Zug verlassen konnten.

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Baum - oder Baumast? Dies ist das Corpus Delicti. Tagesspiegel-Redakteur Jost Müller-Neuhof saß in der Unglücks-S-Bahn und hat diese Aufnahme gemacht.
Baum - oder Baumast? Dies ist das Corpus Delicti. Tagesspiegel-Redakteur Jost Müller-Neuhof saß in der Unglücks-S-Bahn und hat...Foto: Jost Müller-Neuhof

Erst ist am Dienstag ein Zug der S 25 in Tegel entgleist, nun wurde am gestrigen Donnerstag beim Bahnhof Grunewald eine Bahn der S 7 von einem abgestürzten Ast gestoppt. Wie in Tegel, wo es sechs Leichtverletzte gegeben hatte, verlief auch dieses Mal der Unfall glimpflich. Alle Fahrgäste blieben nach Angaben der Bahn unverletzt, der Fahrer erlitt allerdings einen Schock. Der nach Angaben der Bahn morsche Ast hatte die Frontscheibe des Zuges beschädigt.

Der Verkehr war von 10.10 Uhr bis gegen 12.20 Uhr unterbrochen. Zwischen Westkreuz und Grunewald fuhren Busse. Fahrgäste sind hier auf die S-Bahn angewiesen, weil die parallele Strecke der Regionalbahn zwischen Charlottenburg und Wannsee noch bis Dezember gesperrt ist.

Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen hat es in Berlin ein S-Bahn-Unglück gegeben.
Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen hat es in Berlin ein S-Bahn-Unglück gegeben.Foto: Jost Müller-Neuhof

Obwohl Mitarbeiter schnell am Unfallort waren, konnten die Züge erst nach zwei Stunden wieder fahren. Kunden berichteten, dass Motorsägen zum Zerlegen des Astes, der zum Teil unter dem Zug lag, zunächst nicht funktioniert hätten. Außerdem war die Feuerwehr beim Alarm zum falschen Ort geschickt worden und brauchte somit länger als sonst, sagte Sprecher Wolfgang Rowenhagen. Der beschädigte Zug mit den Fahrgästen an Bord konnte dann zum Bahnhof Westkreuz fahren, wo Notärzte und Krankenwagen bereitstanden. Aber nur ein Fahrgast sowie der Triebfahrzeugführer hätten dort noch Hilfe gewollt, sagte Rowenhagen.

Schon mehrfach sind Züge gegen umgestürzte Bäume gefahren. Der Bewuchs an den Gleisen wird nach Angaben eines Bahnsprechers einmal im Jahr kontrolliert. Zwischen Gleis und Baum muss es einen Abstand von sechs Metern geben. Nach Angaben eines Insiders hat der Bereich Netz die Kontrollaufträge meist an Subunternehmen übergeben, um Kosten zu sparen – wie beim Enteisen von Weichen im Winter, was zuletzt zu erheblichen Problemen geführt hatte.

Das Kontrollieren der Bäume sei ein schwieriger Job, sagte der Baumexperte Christian Hönig vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Nur mit einer guten Ausbildung könne man erkennen, ob Äste oder gar der gesamte Baum morsch seien. Hönig empfiehlt einen Kontrollrhythmus von neun Monaten. Dann erfasse man innerhalb von zwei Jahren alle vier Jahreszeiten.

Bilder: S-Bahn in Berlin entgleist am 21. August

S-Bahn in Berlin entgleist
Glück im Unglück: Der Tatsache, dass die S-Bahn langsam fuhr, haben möglicherweise Menschen ihr Leben zu verdanken.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: AFP
22.08.2012 15:41Glück im Unglück: Der Tatsache, dass die S-Bahn langsam fuhr, haben möglicherweise Menschen ihr Leben zu verdanken.

Auch die Entgleisung in Tegel fällt in den Bereich Netz, von dem der Bahnkonzern jährlich Gewinne mindestens im dreistelligen Millionenbereich fordert. Netz ist für den Betrieb in den Stellwerken zuständig. Dort waren, wie berichtet, zum Unfallzeitpunkt zwei Fahrdienstleiter im Einsatz. Trotzdem haben sie nach Tagesspiegel-Informationen eine Weiche zu früh umgestellt, so dass der Zug, der sie gerade überfuhr, mit vier von sechs Wagen auf ein anderes Gleis geleitet wurde. Zwei Wagen sprangen aus den Schienen.

In der Nacht zuvor hatte ein Blitz in die Sicherungsanlagen eingeschlagen, worauf der Betrieb zunächst unterbrochen worden war. Obwohl die Gleisbesetztmeldeanlage nicht funktionierte, wurde der Betrieb am Morgen wieder aufgenommen – unter besonderen Vorschriften. Wie hoch dadurch die Belastung der Stellwerker war, die sich nicht mehr auf die Automatik verlassen konnten, ist unklar.

Die Folgen des Sparens im Netzbereich zeigten sich auch nach dem Unfall. Um die Fahrzeuge wieder auf die Schienen stellen zu können, musste ein Eisenbahnkran aus Leipzig angefordert werden. Früher war auch einer in Berlin stationiert. „Die wahren Probleme der S-Bahn liegen beim Bereich Netz“, kritisiert deshalb Jens Wieseke vom Fahrgastverband Igeb.

Immerhin konnten die Züge der S 25 aus Teltow Stadt am Donnerstag wieder bis Tegel fahren. Am Sonnabend sollen sie es auch wieder bis zur Endstation Hennigsdorf schaffen.

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