Berlin : Eröffnungsfeier: Unechte Stars im unechten Kranzler

CD

In die Rotunde des neuen Café Kranzler zu gelangen, ist immer noch schwierig. Das zeigte am Donnerstagabend die Eröffnungsfeier von Modeunternehmer Gerry Weber, der die unteren zwei Etagen des legendären Vorgänger-Cafés jetzt als Filiale seiner Ladenkette nutzt und zu seiner Party mehr als 100 Gästen einlud. In den ersten zwei Stunden war der Aufzug zur Rotunde defekt, weshalb manche Gäste die mit einer Schaufensterpuppe versperrte Wendeltreppe betraten - die aber ein paar Meter weiter oben vermauert ist. Zum Glück gab es noch eine zweite Treppe.

Symbolisch bekam Weber von Berlins CDU-Generalsekretär Volker Liepelt eine Torte in Schlüsselform überreicht. "Wir Berliner haben allen Grund, uns zu freuen", lobte Liepelt das gesamte, von einem Immobilienfonds erbaute Neue Kranzler Eck. Allerdings sei der 16-stöckige Glaspalast neben den Altbauten "noch etwas gewöhnungsbedürftig". Dort lief gleichzeitig ein Neujahrsempfang der SPD - mit ein Grund dafür, dass keiner der eingeladenen Bundespolitiker der Partei bei Gerry Weber erschien. Den Regierenden Bürgermeister vertrat Senatssprecher Michael-Andreas Butz.

Oben in der Rotunde ging es bald ausgelassen zu, vor allem Dank der Auftritte von Whitney Houston und Elton John. Genauer gesagt, ihrer Doubles Coco Fletcher und Mitch Adams, die sonst bei "Stars in Concert" im Neuköllner Hotel Estrel auftreten. Zu täuschend echt gesungenen Houston-Hits wie "How Will I Know" tanzten einige der Gäste, soweit die drangvolle Enge das zuließ. Ein Dutzend junger Schauspieler und TV-Moderatoren lockerte die Stimmung auf, darunter Jasmin Gerat, Tanja Schumann und Dorkas und Vinzenz Kiefer. Derweil suchten die Boxfans unter den Anwesenden vergeblich nach Dariusz Michalczewski und Axel Schulz, die trotz Zusage nicht kamen.

Trauer um das ehemalige Kranzler war nicht zu spüren. Kein Wunder, denn das überwiegend aus älteren Damen bestehende Stammpublikum blieb diesmal außen vor. Kaffee und Kuchen gab es ohnehin nicht. Wie immer nach 18 Uhr präsentierte sich das Lokal als reine Cocktailbar. Nur in den Gerry-Weber-Ladenräumen erinnerten Leierkastenmusik und gesungene Berliner Schlager an alte Zeiten.

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