Erotikmuseum eröffnet in der Tauentzienstraße : Beate Uhse zieht zum KaDeWe

Gerade erst wurde das Beate Uhse Erotikmuseum nahe dem Bahnhof Zoo wegen des geplanten Abrisses der Passage in der Joachimstaler Straße geschlossen. Doch bald soll es wieder aufmachen – gegenüber dem KaDeWe in der Tauentzienstraße.

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Erotik am Boulevard. In dieses rosa Geschäftshaus an der Tauentzienstraße 4 sollen noch in diesem Jahr das Museum von Beate Uhse und ein Sexshop einziehen. Foto: Cay Dobberke
Erotik am Boulevard. In dieses rosa Geschäftshaus an der Tauentzienstraße 4 sollen noch in diesem Jahr das Museum von Beate Uhse...Foto: Cay Dobberke

Bald gibt es wieder mehr Sex in der City West: Das seit Anfang August wegen eines Neubauprojekts geschlossene Beate Uhse Erotikmuseum an der Joachimstaler Straße und der dortige Sexshop, der Mitte September zumacht, sollen ins Haus Tauentzienstraße 4 schräg gegenüber dem Kaufhaus KaDeWe umziehen. Das bestätigte die Beate Uhse AG am Mittwoch.

Erst vor drei Wochen hatte Sprecherin Doreen Schink mitgeteilt, man suche keinen Ersatzstandort mehr. Jetzt aber habe sich „überraschend eine Option ergeben“, sagt sie.

Im altrosafarbenen Gebäude an der Tauentzienstraße stehen Büros leer, ein Plakat wirbt um Mieter. Im Parterre verkauft ein „Quiksilver“-Modeladen, der bleibt. Oben war früher die City-Redaktion der „Berliner Morgenpost“. Die Ausstellungs- und Verkaufsräume des Museums und des Sexshops sollen in die erste Etage ziehen, unten kommt ein kleiner Eingangsbereich hinzu. Noch sei der Mietvertrag „nicht final unterschrieben“, sagt Sprecherin Schink, man stehe aber kurz davor. Die Eröffnung sei noch in diesem Jahr geplant.

Vor dem Abriss. Die Passage am Zoo soll Neubauten weichen. Foto: Cay Dobberke
Vor dem Abriss. Die Passage am Zoo soll Neubauten weichen.Foto: Cay Dobberke

Im Haus an der Joachimstaler Straße, Ecke Kantstraße gab es rund 2700 Quadratmeter in drei Etagen, von denen das Erotikmuseum zwei nutzte. Jetzt stehen nur noch 500 Quadratmeter zur Verfügung, davon 300 für das Museum. Die Etage bestehe aus einigen kleinen Räumen, in denen man vermehrt Wechselausstellungen zeigen wolle, erläutert die Sprecherin.

Vor allem aber geht es mit dem Abschied aus der Bahnhofsgegend am Zoo um ein neues Ladenkonzept, auf das die Beate Uhse AG auch andernorts setzt. Ein Sexkino oder Videokabinen wird es in der Tauentzienstraße nicht geben – solche Angebote sind durch die vielen Pornoangebote im Internet kaum noch gefragt.

Jetzt will man vor allem Frauen und Paare anlocken. Die Kundschaft von Beate Uhse bestehe inzwischen zu mehr als 70 Prozent aus Frauen, sagt Doreen Schink. Früher hätten sich diese kaum in einen Sexshop getraut, heute gehöre dies „zu einem normalen Einkaufsbummel“. Erotikspielzeug zum Beispiel habe ein ansprechenderes Design als früher und kein zweifelhaftes Image mehr. Dazu könne unter anderem die populäre amerikanische Fernsehserie „Sex and the City“ beigetragen haben.

Seit 1995 gab es das Erotikmuseum an der Kant-, Ecke Joachimstaler Straße (Bildmitte). Dahinter: der Zoofenster-Turm mit dem Hotel Waldorf-Astoria. Foto: Vincent Schlenner
Seit 1995 gab es das Erotikmuseum an der Kant-, Ecke Joachimstaler Straße (Bildmitte). Dahinter: der Zoofenster-Turm mit dem Hotel...Foto: Vincent Schlenner

Die Neuausrichtung des Konzerns zeigt sich auch auf dessen Webseite, wo als erstes Angebote für Frauen ins Auge springen, und am pinkfarbenen neuen Logo mit einem geschwungenen Schriftzug und einem Herz.

Das KaDeWe sei von ihr informiert worden und habe sich dafür bedankt, sagt die Sprecherin. Abgesehen von dem Warenhaus und Peek & Cloppenburg ist die Umgebung geprägt von internationalen Filialisten, die Mode zu niedrigen bis mittleren Preisen anbieten und damit viele Touristen anlocken. Bei den Passantenzahlen liegt die Tauentzienstraße unter Berlins Einkaufsstraßen auf dem ersten Platz.

Am alten Beate-Uhse-Standort rückt der für 2015 geplante Abriss erkennbar näher. Für „abbruchvorbereitende Maßnahmen“ stehen Gerüste an der als Schmuddelecke verrufenen Passage zwischen Hardenberg-, Kant- und Joachimstaler Straße.

Der US-Investor Hines plant ein neues Geschäftsgebäude mit Läden und Büros, das wegen des geltenden Baurechts aber kein Hochhaus werden soll. Mitte September wollen Hines und das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf die Neubauentwürfe vorstellen.

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