Berlin : Ersatzfamilie

Das „Regenbogenfrühstück“ der Berliner Aids-Hilfe holt HIV-Infizierte aus der Isolation – es fehlt Geld für Lebensmittel

Viola Volland

Zwei Stunden lang hat Bruno (Name geändert) Obst geschnippelt, Äpfel, Orangen, Bananen, jetzt ist er dabei, Rührei zu machen. Nicht nur eine Portion, sondern am besten Berge von Rührei. Das Rührei ist für das „Regenbogenfrühstück“ der Berliner Aids-Hilfe e.V. Aber Bruno kann eigentlich schon nicht mehr, der 43-Jährige ist erschöpft. Nicht von seiner Arbeit in der Casino-Küche. Es sind die Medikamente. Alle zwölf Stunden muss Bruno acht Pillen schlucken, um sein Immunsystem zu stabilisieren. Bruno ist HIV-positiv. Wie die meisten der Besucher, die heute ins Casino in die Charlottenburger Meinekestraße 12 gekommen sind.

15 ehrenamtliche Helfer versorgen hier pro Woche 150 Menschen. Montags mit einem kalten Frühstücksbuffet, donnerstags gibt es Brunch. Gutes Essen ist wichtig für HIV-Infizierte, um die Abwehrkräfte zu stärken, erklärt Hans-Peter Hintz von der Aids-Hilfe. Beim „Regenbogenfrühstück“ wird nicht nur der Hunger gestillt. Es ist auch ein beliebter Ort der Begegnung für die Kranken. In kleinen Gruppen sitzen diese um runde Tische und unterhalten sich. „Wir haben alle das Gleiche, das verbindet“, meint Bruno, der nach einer kurzen Pause mit seiner Küchenarbeit fortgefahren ist. „Hier guckt keiner komisch, wenn man seine Medikamente nimmt.“

Der 43-Jährige weiß, wie es ist, sich alleine zu fühlen. „Mein Freund hat mich vor drei Jahren angesteckt und dann im Stich gelassen. Ich habe alle meine alten Freunde verloren." Im Frühstücksteam fühle er sich geborgen. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Bruno und drückt die Hand von Thea Masloke, die neben ihm steht und gerade Wurst- und Käseplatten für das Buffet herrichtet. Die Rentnerin ist Sprecherin der ehrenamtlichen Helfer des Frühstücksteams, seit sieben Jahren engagiert sie sich für die Aids-Hilfe. „Als mein Mann gestorben ist, wollte ich etwas Sinnvolles tun“, erklärt sie. Thea richtet nicht nur das Buffet her, sie hört sich auch die Sorgen ihrer Gäste an. „Sie erzählen mir ihre Kümmernisse – ich kenne fast jeden hier“, sagt die Rentnerin.

Zum Beispiel Arv, den Goldschmied, der schon seit 1984 infiziert ist, oder einen Kranken, der sich Natascha nennt, und ebenfalls seit 20 Jahren positiv ist. „Letztes Jahr wäre ich beinahe nicht mehr da gewesen“, sagt der 47-Jährige. Er habe nur noch 49 Kilo gewogen. „Aber dann war der Lebenswille größer.“ Natascha hat den Frühstückstreff Anfang der 80er Jahre mit gegründet: von Betroffenen für Betroffene. „Das ehrenamtliche Engagement wird viel zu wenig gewürdigt“, findet er.

Die Berliner Aids-Hilfe wünscht sich von den Tagesspiegel-Lesern Geld für Lebensmittel und für einen „Wunscherfüllungs- Fonds", um den Kranken kleine Freuden zu bereiten. Außerdem benötigen sie Geschirr, Töpfe und Pfannen. „Bei Veranstaltungen müssen wir uns noch Teller leihen“, sagt Hans-Peter Hintz.

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