Berlin : Erst das Café, dann das Theater

Die Sanierung des Admiralspalasts ist bis ins Detail geplant. Wenn zum ersten Mal Gäste bewirtet werden, sollen die Arbeiten erledigt sein - die gröbsten

Matthias Oloew

Vorne geht’s los. „Wir wollen so früh wie möglich dem Admiralspalast sein Gesicht zur Friedrichstraße wiedergeben“, sagt Frans Dikmanns. Der Architekt beschäftigt sich seit Jahren mit nichts anderem als der Historie dieses Hauses. Kein Winkel ist ihm verborgen geblieben. Zunächst hat er im Auftrag der niederländischen Stage-Holding den Bau untersucht, danach für Falk Walter, den Chef der Arena Treptow, der seit Montag offiziell Eigentümer des Admiralspalasts ist.

An der Fassade, vor der seit Jahren ein riesiges Werbeplakat hängt, sollen also die Bauarbeiten beginnen. Geplant ist außerdem, möglichst schnell im Innern des Vorderhauses mit der Einrichtung eines Grand Cafés zu beginnen. Es soll so schnell wie möglich Einnahmen für die neuen Eigentümer bringen. Ebenfalls im Vorderhaus ist auch das Kabarett-Theater „Die Distel“ untergebracht und soll ebenso wie das neue Café durch die anderen Bauarbeiten, die zur Sanierung und Umbau des Admiralspalasts nötig sind, kaum beeinträchtigt werden. „Wir hoffen mit den schweren Arbeiten fertig zu sein, wenn das Café öffnet“, sagt Dikmanns.

Der Architekt und sein Büro „F101“ haben die Planung des Bauablaufs durchgespielt. Schwerster Brocken ist dabei nicht die Sanierung des Theaters, sondern die des Innenhofs. Der ist einsturzgefährdet und deshalb abgesperrt. Der Hof und die darunter liegenden Keller müssen abgerissen werden. Ist das geschafft, ist der Weg frei für die Arbeiten im Hinterhaus und damit am Theater.

„Im Hof hat seit der Wende ein Kunstrasenteppich gelegen“, erklärt Dikmanns. Darunter hat sich Nässe gesammelt und ist in das Mauerwerk eingedrungen. Im Winter ist das Wasser gefroren und hat nach und nach Beton und Zement zugesetzt. Jetzt ist die Statik so gründlich hinüber, dass nur der Abriss infrage kommt. Unter dem Hof ist dann Platz für einen Club. Der laute Umbau des Hofs soll fertig sein, wenn das erste Mal ein Kaffee im Café serviert wird.

Die Stage-Holding, die aus dem Admiralspalast ein Musicaltheater machen wollte, stattdessen aber lieber das Theater des Westens genommen hat, wollte in den Umbau und die Sanierung 30 Millionen Euro stecken. Jetzt soll das Projekt nur 14 Millionen kosten. „Wir verzichten auf den komplizierten Ausbau des Theaterturms“, sagt Dikmanns. Die Stage-Holding wollte hier eine ebenso moderne wie riesige Bühne einbauen, voll gestopft mit Technik bis unters Dach und neuen Unter- und Seitenbühnen. Das hätte einen massiven Eingriff in die Statik des Hauses bedeutet. Außerdem sollte der Altbauteil an der Planckstraße verschwinden und Platz machen für aufwändige, bis zu zehn Geschosse hohe Neubauten. Das ist alles vom Tisch. „Die Häuser an der Planckstraße bleiben zunächst unsaniert“, sagt Dikmanns, „dafür ist im Moment noch kein Geld da.“ Stattdessen fließt viel Geld in die Sanierung der alten Solebäder im Admiralspalast. Falk Walter will schon im kommenden Jahr nicht nur das Theater, sondern auch die Wasserbecken mit ihrer eigenen Solequelle wieder nutzen.

Im neuen Admiralspalast soll es ab 2006 viel Theater geben. Damit hat Walter Erfahrung. Schon jetzt sind seine Arena und das benachbarte Glashaus in Treptow zu mehr als der Hälfte mit Theaterproduktionen belegt. Zum Beispiel mit dem Stück „Caveman“, das schon seit Jahren läuft und in dem Falk Walter selbst hin und wieder spielt. Große Aufmerksamkeit gab es auch für die „Vagina Monologe“ oder das „Faust“-Projekt von Peter Stein. Derzeit spielt Stefan Jürgens in dem Ein-Personen-Stück „Süchtig“ im Glashaus. In der Tradition dieser Stücke soll es im Admiralspalast weitergehen. Über konkrete Projekte schweigt sich Walter indes noch aus.

Gefragt ist die Spielstätte an der Friedrichstraße aber auch für Tournee-Produktionen, die für einige Wochen Station in Berlin machen. Mit anderen Worten: Ist der Admiralspalast in Betrieb, wird das Theater zur ernsthaften Konkurrenz, zum Beispiel für das Schiller-Theater an der Bismarckstraße.

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