Berlin : Erst der Spaß, dann das Vergnügen

Auf den Modemessen in der Stadt ist es voll. Doch es muss mehr gearbeitet und weniger gefeiert werden, finden manche Aussteller

Susanna Nieder

„Wir sind zum ersten Mal auf der Bread & Butter. Es läuft gut!“ Kristin Asmann von der Hamburger Agentur mga klingt begeistert. Die bonbonfarbenen, metallisch glänzenden Taschen mit überdrehten Aufdrucken wie „I love Champagne!“ am mga-Stand sind ein Blickfänger, der Traum einer jeden Zicke. Und der Ort, wo man seine Modekollektionen und Accessoires derzeit ausstellen muss, sind die Berliner Modemessen.

Die Bread & Butter öffnete ihre Pforten am Freitag in Spandau. Schon um halb elf schoben sich die Taxen auf der Zufahrtstraße im Schritttempo in Richtung Messegelände, in der Eingangshalle hatten sich vor den Akkreditierungsschaltern lange Schlangen gebildet. Um eins konnte man wegen Überlastung des Telefonnetzes auf dem Handy keine Verbindung bekommen. Der Zulauf ist enorm, auch wenn die Geschäfte in der deutschen Textilbranche schlecht gehen. „Von meinen deutschen Kunden haben viele abgesagt“, sagt Brenda Boos von Nastrovje Potsdam, die neben dem eigenen T-Shirt-Label unter anderem die Berliner Wäschelabels Vive Maria und Pussy Deluxe vertritt. Der Regen-Sommer hat zusätzlich Käufer verjagt.

Die Organisatoren hatten allerdings schon vorausgesehen, dass von den erwarteten 30000 Fachbesuchern, die das Angebot der rund 600 internationalen Aussteller begutachten, diesmal mehr als die Hälfte aus dem Ausland kommen würden. Über Besuchermangel kann sich also auch Markus Klosseck auf dem Stand von Aem’Kei nicht beklagen. Er ist auf der Bread & Butter, seit sie zum ersten Mal 2001 mit 40 Ausstellern als Gegenveranstaltung zur maroden Interjeans abgehalten wurde. Der Name war Konzept: Mit einfachen, aber guten Zutaten sollte ein hervorragendes Produkt hergestellt werden. Diesen Anspruch haben die Initiatoren Karl-Heinz Müller, Wolfgang Ahlers und Kristyan Geyr heute noch, und der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben.

Klosseck irritiert jedoch ein anderer Punkt: Auf der Bread & Butter wird nicht, wie zu Kölner Zeiten, tagsüber gearbeitet und erst abends gefeiert. Die Besucher kommen nur zum Schauen, geordert wird später auf anderen Messen oder im Showroom. „Für dieses Wochenende sind Einkäufer wie Aussteller ruckzuck mindestens ein paar hundert Euro los – aber unterm Strich kommt nichts raus“, sagt Klosseck. Er überlegt, beim nächsten Mal einen Bestellrabatt anzubieten, damit der Aufwand sich für alle rechnet. Seiner Meinung nach muss auf Messen gearbeitet werden.

Auch auf der Premium am Potsdamer Platz herrscht eine lockere Atmosphäre. Die Münchner Firma Rena Lange ist zum ersten Mal auf der überschaubareren Modemesse in Mitte, deren Aussteller oft kleine Labels mit hochwertigen Produkten sind. „Nach einer Stunde hatte sich unser Kommen bereits gelohnt“, sagt Stephanie Fresle, Kommunikationsleiterin bei Rena Lange: neue Kontakte, die alten gefestigt, mehr muss zu diesem Zeitpunkt nicht sein.

Am Stand nebenan ist Martin Brem nicht weniger zufrieden. Unter dem Berliner Label Sai So stellt er Kollektionen und Accessoires aus alter Kimonoseide her. Seine exklusiven Produkte verkaufen sich gut. Bei ihm und vergleichbaren Firmen auf der Premium, die nicht mit Vertretern arbeiten, beschränkt sich das Geschäft nicht auf die Kontakte, es wird auch direkt geordert.

Brem freut außerdem, wie sehr Berlin von dem Trubel, den Modenschauen, Partys und internationalen Besuchern profitiert: „Was meinen Sie, wie es jetzt auf der Alten Schönhauser Straße zugeht!“ Von der Aufmerksamkeit, die sie jede Saison bekommen, seit die Messen hierher zogen, konnten Berliner Modemacher vor zwei Jahren nur träumen.

Lammfellstiefel von Emu sind seit einem Jahr groß in Mode.

Sex oder Schokolade? Taschen für Zicken von St. Tropez Essentials.

Das Label Tosh aus Berlin macht geschmackvollen Schmuck.

Rena Lange entwarf ihre Kollektion extra für die Messe Premium.

Den Halsschmuck von Sai So kann man auch um die Hüften tragen.

Vive Maria macht auch Badeanzüge für ganz junge Nixen.

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