Erst Frost, dann Schmuddelwetter : "Wetter-Achterbahn" - Warnung vor neuer Grippewelle

Bis zu 20 Grad Temperaturunterschied kommen auf die Berliner zu. Die Zahl der Erkältungen nimmt drastisch zu, Arztpraxen sind überfüllt, das Robert-Koch-Institut warnt vor einer neuen Grippewelle. Und auch die Eisflächen auf den Berliner Seen bergen große Gefahr.

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Gefahr durch Temperaturwechsel. Aufs Eis sollte niemand gehen – rodeln schon eher. Foto: dpa
Gefahr durch Temperaturwechsel. Aufs Eis sollte niemand gehen – rodeln schon eher.Foto: dpa

Für den Meteorologen Karsten Kürbis von MeteoGroup ist es „die reinste Wetter-Achterbahn“. Bis zu 20 Grad Temperaturunterschied kommen nach der Vorhersage seines Wetterdienstes auf die Berliner zu. Nach dem klirrenden Frost soll es schon ab Sonntagnachmittag schmuddelig-nass und bis zur Wochenmitte 12 Grad warm werden. Ein extremer Wetterumschlag mit vermutlich gravierenden Folgen: Berlins Haus- und Kinderärzte fürchten überfüllte Wartezimmer. Bereits seit Jahresbeginn hat die Zahl der Erkältungs- und Grippeinfektionen durch das Hin und Her von Schmuddelwetter und Frost drastisch zugenommen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) warnt unterdessen vor einer neuen Grippewelle.

Am Sonnabend aber genossen viele Berliner noch das sonnige Winterwetter, spazierten durch Parks und den Grunewald, sausten über Schlittenabhänge, beobachteten das Geschiebe der Eisschollen auf Spree und Havel und stürmten die Eisbahnen in Wedding, Neukölln und Wilmersdorf, wie deren Betreiber berichten. Zahlreiche Schlittschuhläufer vergnügten sich auch auf den zugefrorenen Grunewaldseen, trotz aller Warnungen. Am Schlachtensee musste gestern gegen 14 Uhr sogar die Polizei einschreiten. „Es waren einfach zu viele Sportler und Spaziergänger auf dem Eis“, sagte ein Sprecher: „Die Gefahr, dass es bricht, war groß. Deshalb wurden die Wagemutigen vom Helikopter aus aufgefordert, den See zu verlassen, was sie auch taten.“

Winter in Deutschland
Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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08.03.2013 17:00Winterwetter wechselt sich immer wieder mit Tauwetter ab. Doch Der Winter steht aber schon wieder in den Startlöchern.

Für heute warnt die Wasserschutzpolizei noch eindringlicher vor dem Betreten der Eisflächen. Denn mit Tief „Jolle“ ist der Winterspaß erst einmal vorbei, es bringt milde Atlantikluft. Nassschnee, Regenschauer, „Blitzeis am noch durchgefrorenen Boden“, so eine Warnung des Deutschen Wetterdienstes – alles ist möglich bis zur Wochenmitte. Zugleich sollen die Temperaturen sprunghaft steigen.

Kinderarzt Steffen Lüder in Hohenschönhausen fürchtet deshalb einen „noch gewaltigeren Patientenansturm“. Bereits in der zweiten Januarwoche „ging es richtig los“ mit den Erkältungskrankheiten, sagt er. Vor allem Viruserreger seien im Umlauf. „Die Kinder haben rasch hohes Fieber und brauchen mindestens eine Woche, bis sie halbwegs gesund sind.“ Auch einige Fälle von echten Grippeinfektionen hatte Lüder schon in der Praxis, „kleine Patienten mit geröteten Augen, die körperlich völlig platt waren“. Am vergangenen Freitag behandelte der Pädiater zwischen 8 und 12.30 Uhr 56 Kinder.

Ein „Rein und Raus“, von dem auch andere Mediziner berichten. „Der Andrang hat sich gegenüber normalen Zeiten fast verdoppelt“, sagt die Steglitzer Kinderärztin Eva Brand. Die Eltern erzählten ihr von Kindergärten, in denen die Hälfte der Jungen und Mädchen erkrankt seien. Um den oft fiebernden Kindern lange Wartezeiten zu ersparen, arbeitet Eva Brand derzeit vormittags mit einer Kollegin in Doppelschicht.

Diese Farben. Eis schwimmt auf der Spree, darin spiegelt sich die Stadtkulisse. Foto: dpa
Diese Farben. Eis schwimmt auf der Spree, darin spiegelt sich die Stadtkulisse.Foto: dpa

„Selbst kurze Erholungspausen können wir uns kaum mehr leisten“, sagt auch eine Kreuzberger HNO-Ärztin. „Die Sprechstunden dauern wegen des Andranges oft zwei bis drei Stunden länger als geplant.“

Das Robert-Koch-Institut teilte jetzt mit, man stehe am Anfang einer neuen Grippewelle. Die Zahl der Infektionen steige derzeit deutlich. Ein guter Schutz sei es, sich häufig die Hände zu waschen. Auch solle man Abstand zu Erkrankten halten. Außerdem rät das Institut dringend zur Grippeimpfung. Wer sich immunisieren lässt, muss allerdings wissen: Es braucht etwa 14 Tage, bis der Schutz wirkt. Typische Symptome einer Virusgrippe sind Augenrötungen, schnell steigendes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Zerschlagenheit. Husten und Schnupfen lassen eher auf andere Erkältungsinfektionen schließen.

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