Berlin : Erst Infos sammeln, dann spenden

Wer Geld für gute Zwecke gibt, will Sicherheit. Aber wie findet man sie? Prüfinstitute wie das DZI können eine Hilfe sein – und das Internet

Karin Schädler

Nicht nur fünf, sondern sogar zwölf Sterne prangen in leuchtendem Grün auf der Internetseite der SOS-Kinderdörfer. „Geprüft und empfohlen“ steht darunter. Die Sterne gehören zum Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) – dem einzigen anerkannten Siegel für spendensammelnde Organisationen in Deutschland. Wer „sicher spenden“ möchte, sucht nach Orientierung. Doch die enorme Vielzahl an Hilfsorganisationen, die in Deutschland um Spenden werben, erschwert die Suche. Neben dem DZI versuchen auch Internet-Plattformen und weitere Initiativen Qualitätskriterien aufzustellen, um den Spendern mehr Sicherheit zu geben.

Organisatonen, die das DZI-Spendensiegel bekommen möchten, müssen einen aufwendigen Prüfprozess durchlaufen. Das DZI nimmt dabei Einblicke in etliche Unterlagen der Organisation: Werden die Finanzen angemessen kontrolliert – ab mittlerer Größe von einem Wirtschaftsprüfer? Werden die betrieblichen Vorgänge ausreichend dokumentiert? Liegen die Werbe- und Verwaltungsausgaben auch wirklich unter 35 Prozent der jährlichen Gesamtausgaben? Sind die Leitungs- und Aufsichtsfunktionen so angesiedelt, dass angemessen kontrolliert wird und Interessenskonflikte ausgeschlossen sind?

Auch die Werbung der Organisationen nimmt das DZI unter die Lupe. „Sie soll nicht überwiegend gefühlsbetont sein, sondern auch sachlich“, sagt DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke. Nur so habe man eine faire Chance, sich zu entscheiden, und werde nicht „überrumpelt“. Weitgehender als die Kriterien des DZI sind Selbstverpflichtungen von Verbänden in der Branche. Das DZI-Spendensiegel tragen 270 Organisationen in Deutschland, also nur ein Bruchteil aller spendensammelnden Organisationen. Einige, die in der vergangenen Zeit für Skandale gesorgt haben, trugen es nicht: Die Treberhilfe, der Berliner Landesverband der Multiple-Sklerose-Gesellschaft und der Verein „Hatun & Can“. Der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks Unicef wurde das Siegel vor zwei Jahren aberkannt und als Konsequenz daraus verschärfte das DZI seine Prüfkriterien. Doch klar ist: Nach wie vor tragen viele Organisationen, die einen ebenso guten Ruf haben, das Siegel auch nicht. DZI-Geschäftsführer Burkhard Wilke sagt daher: „Es lässt sich natürlich nicht schließen, dass eine Organisation ohne Siegel unseriös ist.“ Zumal sich gerade kleine Vereine die Kosten der Zertifizierung nicht leisten können: einmalig 1000 Euro und dann pro Jahr mindestens 500 Euro. Etwa 70 Prozent der Anträge sind im ersten Anlauf erfolgreich.

Bei der Internetplattform Phineo legt man noch höhere Maßstäbe an. Die vom DZI untersuchten Kriterien gelten auch bei Phineo, zusätzlich wird untersucht, wie wirksam ein Projekt ist. „Wir wollen zum Beispiel wissen, was das Projekt bisher in Gang gebracht hat und ob die Ziele zu den Zielgruppen passen“, sagt Sprecherin Wiebke Gülcibuk. Phineo ist als gemeinnützige AG organisiert, schüttet wegen der Gemeinnützigkeit aber keine Rendite aus, sondern reinvestiert alle Gewinne in den Zweck des Unternehmens: noch mehr Analysen. Nur etwa 20 Prozent der untersuchten Organisationen werden auch tatsächlich empfohlen und erscheinen auf der Internetplattform. Für die Organisationen ist die Analyse kostenlos. Phineo wird unter anderem von der Bertelsmann-Stiftung und der Gruppe Deutsche Börse getragen, eine zweite Einnahmequelle sind Beratungen für vermögende Personen, die mit Phineo das geeignete Projekt für ihre Großspende oder „soziale Investition“ finden möchten.

Auf ganz andere Weise versuchen die Betreiber der Internetplattform Betterplace, Qualitätskriterien sicherzustellen. Dort präsentieren sich etwa 3500 Projekte, von ganz kleinen bis ganz großen Organisationen oder auch Einzelpersonen. „Wir raten: Spende nur, wenn du die Organisation kennst oder wenn du Mitarbeiter kennst oder wenn du Menschen kennst, die das Projekt besucht haben“, sagt Betterplace-Sprecher Moritz Eckert. Weil viele Menschen mittlerweile Soziale Netzwerke wie Facebook nutzen, habe man viele Möglichkeiten, von Projekten zu erfahren und selbst solche zu bewerben. Trotz des offenen Zugangs sind die Betreiber zuversichtlich, dass zwielichtige Vorgänge über Organisationen durch eine solche Plattform eher ans Licht kommen. Schließlich biete das Internet die Möglichkeit, viele Informationen strukturiert aufzubereiten. „Außerdem sind viele Menschen einbezogen, gewissermaßen können wir uns auf eine Schwarmintelligenz verlassen“, sagt Eckert. Man vertraue auf die „Weisheit der vielen“. Karin Schädler

Die Organisationen im Internet:

www.dzi.de und www.phineo.org, www.betterplace.org

Die nächste Folge zum Thema „Transparenz und Kontrolle“ erscheint am Mittwoch, 10. November

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