Berlin : Erst klappen, dann ziehen

Der Hauptbahnhof erhält ein zweites Dach. Die S-Bahn darf trotzdem fahren

Klaus Kurpjuweit

Am neuen Hauptbahnhof gibt es nichts, was es nicht gibt: Erst wurde dort geklappt, jetzt wird gezogen. Nachdem die Stahlskelette der Bügelbauten sich planmäßig in die Horizontale über das Ost-West-Dach gelegt haben, wird jetzt zwischen beiden Riegeln das Nord-Süd-Dach eingebaut. Und auch das funktioniert, wie schon bei den Bügeln, portionsweise: Das Querdach wird in drei Stufen in seine vorgesehene Position gezogen. Am Wochenende geht es los. Dann wird der Verkehr auf der Stadtbahn für die Fern- und Regionalzüge erneut unterbrochen. In letzter Minute haben es die Planer aber geschafft, die S-Bahnen weiterfahren zu lassen. Sie halten dann unter der Dachbaustelle.

Für das Klappen der Bügelbauten hatten die Planer vorsichtshalber einen dritten Sperrtermin vorgesehen. Doch das spektakuläre Projekt war trotz Schwierigkeiten nach zwei Sperrpausen an denWochenenden abgeschlossen. Probleme hatte es gegeben, weil ein Gewitter einen Teil der Elektrik lahm gelegt hatte, wie Projektleiter Hany Azer gestern sagte.

Weil die Sperrungen bereits ein Jahr vorher im Fahrplan festgelegt werden müssen, kann man jetzt nicht einfach darauf verzichten. Die Zeit nutzen die Ingenieure nun, um den ersten Teil des Nord-Süd-Daches einzuziehen. Der 26 Meter lange Abschnitt ist außerhalb des Dachbereiches auf einem Gerüst montiert worden. Der Koloss wird am Wochenende 41 Meter weit mit Maschinenkraft in den Bahnhof hineingezogen.

Dann wird wiederum außerhalb das Mittelteil des Daches montiert und zusammen mit dem ersten Abschnitt am 8./9. Oktober weitergezogen. Das letzte Ziehen folgt am 15./16. November. 106 Meter sind zu überbrücken. Dann ist die letzte Lücke im Dach geschlossen. Die Aktionen finden bei Nacht statt. Der Verkehr soll kaum eingeschränkt sein.

Ursprünglich sollte an diesem Wochenende auch die S-Bahn nicht fahren. Gestern früh entschlossen sich die Baustellen-Planer jedoch anders. Weil alle Dienstpläne aber auf die Sperrung ausgelegt worden sind und kurzfristig nicht mehr geändert werden können, müssen Fahrgäste im Bahnhof Friedrichstraße in einen anderen Zug umsteigen.

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