Berlin : Erst mal entspannen

Und abends auf die Wahlparty:

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Selten haben Politiker den Wahlabend in solcher Hochspannung erwartet wie diesmal. Heute hilft nur noch Hoffen und Harren. Wie verbringen die Spitzenkandidaten der Berliner Parteien den Tag? Sie wollen einfach ein bisschen Ruhe haben und sich von ihrer Nervosität ablenken, bevor es am langen Abend auf den Wahlpartys richtig rund geht.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, der Berliner SPD-Spitzenkandidat, beginnt den Schicksalssonntag mit dem Kirchgang. Thierses besuchen die Messe in der Herz-Jesu-Kirche, Fehrbelliner Straße in Prenzlauer Berg. Dann folgt der Wahlgang. Nicht weit von ihrer Wohnung am Kollwitzplatz liegt in der Knaakstraße das Wahllokal. Mittagessen und Kaffeeplausch mit Frau und Kindern – familiäre Häuslichkeit soll Thierse über die Spannung hinweghelfen, ob er das Direktmandat in Pankow-Weißensee-Prenzlauer Berg West gewinnt. Dann muss sich das SPD-Präsidiumsmitglied ins Willy-BrandtHaus aufmachen. Dort treffen sich die Parteispitzen gegen 17 Uhr, um für alle Eventualitäten Sprachregelungen zu treffen. Später wird Thierse als Hausherr im Gewusel des Reichstagsgebäudes nach dem Rechten sehen.

Die Berliner Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast wird ihre Stimme um 11.30 Uhr in ihrem Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg abgeben: Sie geht zum Wählen in die Barnim-Grundschule am Grazer Platz. Danach wird Renate Künast zu Mittag essen und ein paar Stunden ausspannen. Auch sie wird sich am Nachmittag mit anderen Spitzenpolitikern ihrer Partei zu einer Vorbereitungsrunde treffen. Der Ort wird nicht offiziell verkündet. Gegen 18 Uhr erwartet man Bundesministerin Künast auf der Bundeswahlparty der Grünen im Tempodrom. Gegen 21.20 Uhr will die Grünen-Politikerin das Fest verlassen: Sie wird um 22 Uhr als Gesprächsgast bei Sabine Christiansen erwartet.

Günter Nooke hat Besuch von einem guten Freund. „Wir werden wohl zusammen frühstücken, und um 10 Uhr gehe ich mit meiner Frau in die Kirche.“ Nooke gehört zur Sophien-Gemeinde in der Großen Hamburger Straße. Viertel vor zwölf geht der CDU- Mann zur Wahl, im Seniorenclub in der Torstraße. Danach ist Zeit für die Familie. Außerdem hat ihm die Ehefrau seit längerem aufgetragen, in der Wohnung eine Jalousie anzubringen. „Das hab’ ich bisher nicht geschafft.“ Am späten Nachmittag ergreift dann die Politik wieder voll Besitz von Nooke. Um 17.30 Uhr fährt er in die CDU- Bundeszentrale am Klingelhöfer Dreieck, zur Wahlparty. Je nach Wahlergebnis wird dort gefeiert oder getrauert. Nach 18 Uhr muss der CDU-Bundestagsabgeordnete im Reichstagsgebäude Interviews geben. Um 19.30 Uhr erwartet ihn sein Kreisverband im „Milchhäuschen“ am Weißensee.

FDP-Spitzenkandidat Günter Rexrodt geht ganz entspannt in den Sonntag. Er muss sich keine Sorgen um seinen Wiedereinzug in den Bundestag machen. Da die FDP nicht mit Direktmandaten rechnen kann, ist ihm der Listenplatz 1 sicher. So bereitet er morgens der Ehefrau Ingrid das Frühstück. Das habe sie sich als seine Wahlkampfstütze „verdient“, sagt er. Um halb elf gehen Rexrodts in der Robert-Jungk-Oberschule in Wilmersdorf, Sächsische Straße 58, Arm in Arm wählen. Das Mittagessen kochen sie gemeinsam. Bis 16 Uhr ist geruhsame Häuslichkeit angesagt. Dann fährt Rexrodt ins Thomas-Dehler-Haus; auch das FDP-Präsidium muss sich auf die Ergebnisse des Abends vorbereiten.

Die Berliner PDS-Spitzenkandidatin Petra Pau wird am Sonntag um 10.30 Uhr in einer Kita in der Fercher Straße in ihrem Wahlkreis Hellersdorf-Marzahn zum Wählen gehen. Anschließend besucht sie ein Drachenfest in Prenzlauer Berg. Um 12 Uhr wird Petra Pau im PDS-Wahlquartier in der Wilhelmstraße erwartet, wo sie mit rund 20 Wahlhelfern zu Mittag isst. Danach will sich die PDS-Politikerin zu Hause entspannen. Gegen 16.30 Uhr trifft sie sich mit anderen Spitzenpolitikern ihrer Partei zur Vorbesprechung an unbekanntem Ort. Gegen 18 Uhr wird die stellvertretende Bundesvorsitzende im Reichstag erwartet, wo Fernsehsender nach den ersten Hochrechnungen auf Interviewpartner warten. Gegen 20 Uhr will Petra Pau auf der PDS-Wahlparty in der Arena sein. Gru/ za/ sib

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