Berlin : Erst strampeln, dann tanzen

Eine Initiative der Berliner Musikbranche bringt Partyveranstaltern nachhaltiges Feiern bei

Stephanie Kirchner

Wenn schon Umweltschutz, dann bitte öffentlichkeitswirksam inszeniert. Neben schätzungsweise 200 Tanzwilligen kamen auch zahlreiche Medienleute am Donnerstag zur „Green Music 25 Fahrrad Disko“ in den Treptower Park, um zuzusehen, wie vier schwitzende Raver in die Pedale treten, um den Strom für das Soundsystem der Party selbst zu erzeugen.

Dahinter steckt Jacob Bilabel, ehemaliger Kommunikationschef von Universal Music und Gründer der „Green Music Initiative“, die in Zusammenarbeit mit der Musik- und Unterhaltungsindustrie den Klimaschutz vorantreiben möchte. „Wir versuchen zu zeigen, dass Klimaschutz nicht bedeuten muss, dass man sich mit dicken Wollsocken zu Hause einschließt, sondern dass es auch Spaß machen kann, etwas dafür zu tun.“

Das Konzept scheint aufzugehen. Tatsächlich entsteht schon auf der gemeinsamen Radtour zu dem im Vorfeld geheim gehaltenen Ort so etwas wie Gruppendynamik unter den Partygästen, die sich im begeisterten, abwechselnden Strampeln fortsetzt. Vier Räder müssen in Bewegung gehalten werden, um die für die Musikanlage benötigten 300 Watt zu erzeugen.

Auch Partygast Frank Huber hat sich gerade noch auf dem Fahrrad abgemüht. Der Kreuzberger sieht in der Veranstaltung den Beweis, „dass Hedonismus und Umweltbewusstsein zusammen funktionieren“.

Ähnlich sieht das auch Elli, die eine Hälfte des DJ Teams Silly Vanilly. Sie hat beobachtet, dass Partymacher immer öfter versuchen, „Spaß und soziales Engagement zu verbinden“. Ihr Kollege Dirty Doering war schon im letzten Jahr bei der sogenannten Silent Climate Parade dabei, bei der ein paar hundert Technofans, ausgestattet mit Funkkopfhörern, still durch Berlin tanzten, um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Die „Green Music Initiative“ verbreitet ihre Botschaft jedoch nicht nur unter Freunden elektronischer Musik. Bei einer Veranstaltung im Frühjahr beriet die Organisation die eigentlich nicht für optimistische Zukunftsvisionen bekannte Gothik-Szene in puncto nachhaltiges Feiern. Dazu gehören: energieeffiziente Kühlschränke, das Umstellen auf Ökostrom und die Bereitstellung von Zügen für Konzertbesucher. So wie beim diesjährigen „Melt!“-Festival. Zudem arbeitet man gerade das Umweltkonzept für das diesjährige Berlin Festival aus.

Für die Touristin Ursula Kosak ist die Party vor allem durch ihre Zwanglosigkeit ein Erfolg: „Die Leute werden eingeladen, etwas zu tun, aber niemand wird gedrängt.“ Die 21-jährige Polin ist zur Party gekommen, um das „echte Berlin“ zu erleben, und schwärmt: „Hier kann man noch Spaß haben. In Polen würde sofort die Polizei anrücken.“ Kaum hat sie dies ausgesprochen, ist auch schon das Ordnungsamt da.Stephanie Kirchner

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