Berlin : Erste Bilanz: „Alles wunderbar“ Volle Häuser bei der Langen Nacht der Museen

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Vor dem Roten Rathaus warten ein paar tausend Menschen auf die Worte von Kultursenator Thomas Flierl: „Die Lange Nacht der Museen ist eröffnet.“ Doch vorher berichtet Flierl noch vom „objektiven Geschichtsdiskurs“ und „öffentlich geförderter Kunst“. Thomas Zillober aus BadenBaden, Student der „Interkulturellen Betriebswirtschaftslehre“, nutzt die Zeit, um seine Freundin zu liebkosen und ein bisschen im Programmheft zu blättern. Nach dem Rathaus will er sich noch Pergamonmuseum, Technikmuseum und das Haus der Wannsee-Konferenz vornehmen. Endlich gibt Flierl den Weg frei, und die bunte Menge drängt hinein in den Berliner Regierungssitz.

Die 18. Lange Nacht der Museen verläuft bis Redaktionsschluss ohne besondere Vorkommnisse. „Alles wunderbar“, so die Zwischenbilanz von Elke Scheler vom Museumspädagogischen Dienst. „Die Nachfrage nach Karten war sehr groß.“ Im Durchschnitt sind bei jeder Langen Nacht etwa 40000 Menschen auf den Beinen. Viele sind auch diesmal wieder gerüstet wie zu einer längeren Wanderung. Die Rucksäcke sind mit Keksen und Wasser gefüllt, obendrauf haben Pullover und Jacken Platz gefunden. Ein Mann hat sogar Tirolerhut und Wanderstock mitgebracht. Die meisten tragen leichte Turnschuhe.

Als die ersten Busse kurz nach 18 Uhr abfahren, sind die Sitzbänke an den Verpflegungs-Ständen immer noch gut gefüllt. Die ersten Piccolo-Flaschen machen die Runde. Georg Janetzki, Jura-Student, gibt die letzten Infos an seine Kommilitonen weiter. Dann trennt man sich. Die Studentengruppe umfasst mehr als 15 Leute - so viele können unmöglich zusammen bleiben.

Die Busse der Linie 3 sind bis zum Anschlag gefüllt. Am Lustgarten ändern die ersten Museumsgänger ihre Pläne und bleiben sitzen. Vor dem Alten Museum hat sich unverkennbar eine längere Schlange gebildet. Am Pariser Platz ist dagegen alles sehr entspannt. Die Akademie der Künste – zum ersten Mal bei der Langen Nacht dabei – ist gut besucht, aber nicht überlaufen. Drinnen gibt es einen Tempel aus 5000 Lebensmittel-Verpackungen zu besichtigen und natürlich den Bau selbst. Und manche entdecken den schönsten Lesesaal Berlins: die Bibliothek der Akademie im ersten Stock weist auf den Pariser Platz. Die Lesetischreihe erstreckt sich direkt an der Fensterfront mit Blick aufs Brandenburger Tor.

Nicht weit entfernt, am Holocaust- Mahnmal, auch ein Neuzugang der Langen Nacht, stehen die Menschen wieder Schlange. Drinnen lesen Iris Berben, Ulrich Matthes, Lea Rosh und Wolfgang Thierse aus Erinnerungsliteratur.

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