Berlin : Erste Hilfe für die Schwerverletzten

Vorbildlich: Als ein Rettungswagen verunglückte, versorgte Ronald Bögner die Unfallopfer

Tanja Buntrock

Seinem knapp drei Monate alten Sohn hatte Ronald Bögner an diesem Morgen noch einen Abschiedskuss auf die Wange gedrückt. Dann setzte sich der Bereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes in Lichtenberg in seinen Wagen, um zu einer Dienstbesprechung nach Steglitz zu fahren. Das war am 13. Juni, einem der tropisch-warmen Sommertage während der Fußball-Weltmeisterschaft.

Gegen 7 Uhr 30 stockt auf der Köpenicker Landstraße der Verkehr. „Schon von Weitem sah man, dass da was passiert sein musste“, schildert der 34-Jährige. Ein Rettungswagen der Johanniter liegt auf der Seite: umgekippt. Wie sich später herausstellte, war ihm während einer Einsatzfahrt nach Schönefeld die Vorfahrt genommen worden. Er geriet mit hohem Tempo auf die Mittelspur, kollidierte dann mit geparkten Autos und schob diese in den Gegenverkehr.

Als Bögner mit der Notversorgungstasche aus seinem Fahrzeug eilt, sieht er seine beiden schwer verletzten Kollegen von den Johannitern auf der Straße liegen. Bauarbeiter haben sie aus dem umgekippten Rettungswagen gezogen. Die anderen Unfallbeteiligten signalisieren ihm, dass sie nur leichte Verletzungen erlitten haben, einige stehen mit aschfahlem Gesicht auf der Fahrbahn. Bögner weiß, was zu tun ist. Dem verletzten Fahrer, der stark am Kopf blutet, legt er Notverbände an und gibt ihm über einen Tropf eine Kochsalzlösung, um den Blutverlust auszugleichen. Der Beifahrer ist ansprechbar, kann aber die Beine nicht bewegen. Bögner tastet seinen Körper nach weiteren Verletzungen ab und stopft ihm dann Säcke unter die Beine, um ihn bequemer hinzulegen. Das Ganze dauert etwa fünf Minuten. Dann kommen Feuerwehr und Notarztwagen. Bögner hilft den Kollegen, legt den Verletzten Halskrausen an und hievt sie auf Vakuum-Matratzen, damit sie während der Fahrt in die Klinik stabilisiert liegen.

Dass sein Einsatz vorbildlich war und er nun ein Kandidat für die Auszeichnung „Kavalier der Straße“ ist, ist Bögner fast peinlich. „Das war schon eine besondere Situation.“ Ihm sei durch den Kopf gegangen, wie häufig er mit hoher Geschwindigkeit im Rettungswagen durch die Stadt fährt. „Und dann diese Bilder. Was da passieren kann, wurde mir damals am Unfallort richtig klar“, sagt Bögner. Über die beiden schwer verletzten Kollegen weiß er nur, dass sie alles überstanden haben. An jenem 13. Juni musste Bögner bereits am Abend wieder zum Einsatz: diesmal aber geplant – im Olympiastadion spielte Brasilien gegen Kroatien. Da war er als DRK-Helfer dabei.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar