Berlin : Erster Bauabschnitt für die Umfahrung der Altstadt beginnt

Steffi Bey

Seit immerhin zehn Jahren wird sie geplant und beinahe noch länger heiß ersehnt - die Umfahrung, die die Köpenicker Altstadt vom Verkehr entlasten soll. Heute beginnen mit dem Rammschlag für eine neue Spreebrücke die Arbeiten an der sogenannten Tangentialen Verbindung Ost (TVO). Im Jahr 2002 soll es dann möglich sein, den ersten 100 Millionen Mark teuren Abschnitt der Altstadtumfahrung zwischen Straße An der Wuhlheide und Oberspreeestraße zu benutzen.

Die endgültige Fertigstellung der insgesamt 2,2 Kilometer lange Verbindung bis zum Glienicker Weg erfolgt im Jahre 2005, teilt die Pressesprecherin der Senatsbauverwaltung Petra Reetz mit. Für die Köpenicker geht dann ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung, die Altstadt vom Durchgangsverkehr zu befreien. Bewohner und Gewerbetreibende, aber auch Touristen beschweren sich über die enormen Belastungen im Herzen Köpenicks. Bis zu 25 000 Fahrzeuge quälen sich innerhalb von zwölf Stunden durch das denkmalgeschützte Areal. Dauerstaus, Lärm, Dreck und fehlende Parkmöglichkeiten haben bislang den erhofften Aufschwung im Sanierungsgebiet verhindert. Die unzumutbare verkehrliche Situation schreckte zahlreiche Investoren, aber auch Händler ab, sich auf der Insel zwischen Spree und Dahme niederzulassen.

Wenn in zwei Jahren die ersten Autofahrer aus Richtung Oberschöneweide oder der City über die neue Brücke rollen, stehen ihnen pro Richtung zwei Spuren zur Verfügung. Außerdem verfügt das 155 Meter lange und 30 Meter breite Bauwerk über Fuß- und Gehwege. Zur Lärmminderung für die Anwohner werden Schutzwände errichtet. Seit Oktober vergangenen Jahres sind die bauvorbereitenden Arbeiten im Gange. So wurden auf dem Gelände der Firma Raab-Karcher, direkt an der Spree, einige Gebäude abgerissen und Platz für die Brückenpfeiler geschaffen. Wie berichtet, gibt es allerdings auf der gegenüberliegenden Uferseite noch Grundstücksprobleme. Es handelt sich dabei um ein 52000 Quadratmeter großes Gelände der Berliner Turnerkooperation. Das Land Berlin benötigt für die Spreebrücke knapp die Hälfte der Fläche. "Zurzeit wird darüber noch verhandelt", antwortet ein Bezirksamtsmitarbeiter auf die Frage nach dem Stand der Dinge.

Nicht nur die Planer im Bezirksamt und im Senat haben sich in den vergangenen Jahren mit dem Brückenprojekt beschäftigt, sondern auch der Köpenicker Wirtschaftskreis und die Entwicklungsgesellschaft Köpenick. Letztere erregte 1997 Aufsehen mit ihrer Idee, eine Mautbrücke zu errichten. Weil dem Land Berlin das Geld für die Spreeüberquerung fehlte, wollte man den Brückenbau privat finanzieren. Doch dazu wären unter anderem Gesetzesänderungen nötig gewesen. Letztendlich sprach sich der damalige Bau- und Verkehrssenator Jürgen Klemann (CDU) gegen die Mautbrücke aus.

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