Berlin : Erster Prozess gegen Ex-Mitarbeiter der Bankgesellschaft

Ralf Schönball

Der erste einer Reihe von Prozessen im Zusammenhang mit der Affäre um die Bankgesellschaft Berlin beginnt heute vor dem Amtsgericht Tiergarten. Zwei ehemaligen Mitarbeitern der Bankentochter Berlin-Hyp Projekt wird Untreue, Beihilfe zur Untreue und versuchte Erpressung zur Last gelegt. Einer der zwei Angeklagten war ein so genannter Strohmann für Immobilienfonds des Bankenkonzerns: Er war zu zweifelhafter Bekanntheit gelangt, weil er mit einem Fahrrad und einem Audi als einzigem Vermögen für einen milliardenschweren Fonds haften sollte. In dieser Eigenschaft als Komplementär des Fonds hatte er den anderen Angeklagten beauftragt, die rechtlichen Risiken des Fonds zu prüfen. Das Honorar für den mitangeklagten Rechtsanwalt sollte knapp zehn Millionen Mark betragen.

Aus Sicht der Fondsgesellschaft stellen die hohen Gebühren eine Veruntreuung dar. Zudem wird den Angeklagten versuchte gemeinschaftliche Erpressung zur Last gelegt. Denn der 33-jährige Diplom-Ingenieur hatte das gesamte Vermögen des Fonds der sofortigen Zwangsvollstreckung unterworfen für den Fall, dass die Gesellschaft die Millionen nicht zahlt. Später sollen sowohl er als auch der mitangeklagte Rechtsanwalt der Fonds-Geschäftsführerin in zwei Schreiben gedroht haben, ein Insolvenzverfahren einzuleiten, wenn sie das Geld nicht überweist.

Die Affäre um die Bankgesellschaft hatte zum Bruch der großen Koalition und zu Neuwahlen geführt. Justizsenator Wolfgang Wieland (Grüne) richtete eine Sonderkommission bei der Staatsanwaltschaft ein. Diese ermittelt derzeit noch in 39 Fällen, darunter auch gegen den Vorstandschef der Bankgesellschaft, Wolfgang Rupf, und den früheren CDU-Fraktionschef und Bankmanager Klaus Landowsky.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben