Berlin : Erster Zug im Flughafenbahnhof

Neue Strecke erfolgreich getestet. Auch die Fern- und Regionalbahngleise sind bereits fertig

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Von SXF nach BER. Der erste S-Bahnzug schlich mit 20 Stundenkilometer über die neue Strecke. Dabei wurden Tunnelbau und Signalanlagen auf die Probe gestellt. Foto: dpa/Pleul
Von SXF nach BER. Der erste S-Bahnzug schlich mit 20 Stundenkilometer über die neue Strecke. Dabei wurden Tunnelbau und...Foto: dpa

Schönefeld - Jens Gerasch macht so ziemlich alles falsch, was ein Triebfahrzeugführer der S-Bahn nur falsch machen kann. Dabei ist er Teamleiter bei den Fahrern. Und Notfallmanager Jens-Peter Bischof ist mit dem Ergebnis sogar sehr zufrieden, obwohl Gerasch mit dem Zug am Rot zeigenden Signal vorbeifahren will. Die Bahn wird nämlich sofort gebremst und stoppt. Ganz so, wie es vorgesehen ist. Damit ist der Test auf der neuen Strecke vom Bahnhof Schönefeld zum künftigen Flughafenbahnhof bestanden. Am Freitag war auf der rund acht Kilometer langen Neubaustrecke die erste S-Bahn auf Probefahrt unterwegs – acht Monate vor der Eröffnung des Flughafens.

Dabei wird – bei Tempo 20 – festgestellt, ob die vorgegebenen Maße beim Bau eingehalten worden sind, ob die Sicherungsanlagen, etwa bei den Signalen, funktionieren oder ob ein Notausstieg wie vorgesehen direkt vom Zug aus erreicht werden kann. Peter Schulze vom Bereich Netz der Bahn ist während der Premierenfahrt ganz entspannt. Er kann sich nicht erinnern, dass irgendwann tatsächlich etwas dabei schiefgegangen ist. Und auch am Freitag waren am Schluss alle zufrieden – die S-Bahn könnte sofort fahren. Allerdings werden die letzten Bauarbeiten erst Ende Oktober abgeschlossen sein, und vorher müssen Geraschs Kollegen auch noch Schulungsfahrten auf der neuen Strecke absolvieren. Doch während Gerasch vor seiner Premierenfahrt die Strecke erst noch abgelaufen war, reicht es bei den anderen Triebfahrzeugführern, wenn sie die Strecke mit dem Zug befahren.

Die Kollegen von der benachbarten Fernbahn sind sogar noch weiter. Ihre Probefahrten haben sie längst absolviert, auf dem Ostabschnitt der neuen Verbindung fahren sogar schon die Kerosinzüge zum Flughafen. Dabei war lange unsicher, ob dieser Abschnitt überhaupt rechtzeitig zur Flughafeneröffnung fertig sein würde. Die Bahn hatte den Termin sogar schon abgesagt, doch nachdem das Baurecht vorhanden war, klotzte man so ran, dass die Arbeiten ebenfalls bereits jetzt abgeschlossen werden konnten.

Lange warten müssen Fahrgäste dagegen, bis sie mit dem Airport-Express vom Hauptbahnhof in Berlin aus den Flughafenbahnhof in rund 20 Minuten erreichen können. Bis dahin dauern die Umwege rund zehn Minuten länger. Die Arbeiten an der für die schnelle Verbindung erforderlichen Dresdner Bahn durch Marienfelde und Lichtenrade können nach Schulzes Angaben frühestens Ende 2014 beginnen. Vor dem Jahr 2020 könnten dann wohl keine Züge fahren, prognostiziert Schulze. Das Genehmigungsverfahren für den Ausbau hat sich um Jahre verzögert, weil Anwohner fordern, die Bahn in Lichtenrade in einen Tunnel zu legen, was die Planer bisher ablehnen. Mit der Genehmigung rechnet Schulze nun erst für das Jahr 2013. Und selbst wenn beim Bauen Nacht- und Sonntagsarbeiten erlaubt werden sollten, könne man nur noch höchstens ein Jahr Zeit gewinnen.

Die Strecken zum Flughafen und der Bahnhof unter dem Terminal haben nach Angaben der Bahn 636 Millionen Euro gekostet. Den neuen S-Bahnhof Waßmannsdorf an der Strecke hat die Gemeinde Schönefeld selbst finanziert. Klaus Kurpjuweit

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