Live-Protokoll : So erlebte Berlin den 1. Mai

01.05.2009 15:42 Uhr
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Das Feuer ist aus. Hoch her ging es am Kottbusser Tor. Polizei und Autonome lieferten sich ein Katz-und-Maus-Spiel. - Foto: ddp

Nachdem die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" wegen Randale vorzeitig beendet wurde, flogen am Kottbusser Tor die Steine. Nach Mitternacht beruhigt sich die Lage langsam. Auch, weil die Guerilla-Taktik der Polizei funktioniert. Das Myfest ist sowieso die ganze Zeit über fröhlich weiter gegangen. Tagesspiegel-Reporter berichten von den Ereignissen am 1. Mai in Berlin.

0:30-1:30 Uhr, Oranienstraße, Kreuzberg

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Noch ist es nicht vorbei. Die Partypeople auf der inzwischen stark vollgemüllten Oranienstraße solidarisieren sich mit den Randalekids, grölen "Fuck the Police!" und werfen doch nochmal die eine oder andere Bierflasche auf die Polizei. Die Beamten sind massiv präsent, haben alle vier Ecken der Kreuzung Adalbert-/Oranienstraße besetzt. Noch spielt an einigen Stellen Musik, haben die Kneipen geöffnet, sind Leute unterwegs. Die Krawalleure sind inzwischen allgemein ziemlich angetrunken, haben glasige Augen, unser Reporter berichtet, es werde inzwischen nicht einmal mehr gegen Wände gepinkelt, sondern vor sich hin auf den Gehsteig.

"Die guten Sitten des Abendlandes lösen sich langsam auf." Beißender Rauch liegt in der Luft, in einer Nebenstraße hat Müll gebrannt. Die Polizisten sind genervt, haben sichtlich genug. Aber der Abend kann sich noch hinziehen. Es ist schließlich Wochenende. (Trotzdem war dies der letzte Eintrag. Aktuelles und Hintergründe in wenigen Stunden auf  Tagesspiegel.de!)

23:55 Uhr, Oranienstraße, Kreuzberg. Zwar gibt es auf der Adalbertstraße zwischen Kottbusser Tor und Oranienstraße insgesamt drei Brandherde, darunter der angeschmurgelte Müllcontainer und zusammengekratzter Müll. Von brennenden Barrikaden ist das aber weit entfernt, von den Mai-Ausschreiungen vergangener Jahre auch. Außerdem sind die Kokelstellen von der Polizei gesichert. "Die Randalestimmung lässt allmählich nach," stellt der unermüdliche Tagesspiegel-Reporter Frank Jansen fest. An der Kreuzung Adalbert-/Oranienstraße vermischen sich die Krawalleure mit den Partypeople vom Myfest, das links und rechts mit unverminderter Fröhlichkeit andauert.

Video: 1. Mai: Krawall in Kreuzberg 


23:10 U

hr,

Adalbertstraße, Kreuzberg

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Ein weiteres Zwischenfazit von Tagesspiegel-Reporter Frank Jansen: Die Polizei hat die laut Agenturmeldungen rund 300 Randalierer mit deren eigenen Waffen geschlagen - indem sie eine Art Guerilla-Taktik fuhr. Keine Wasserwerfer, keine Sirenen, kein flackerndes Blaulicht, keine dröhnenden Transporter. Die Kräfte zeigen nicht überall Präsenz, walzen nicht alles nieder. Sie sind zwar dick gepanzert und behelmt, mit Tonfas und Reizgas ausgestattet, Schilde tragen sie aber nicht. So sind sie hochmobil und können gezielt und in kleinen Gruppen sofort eingreifen, wenn Gewalt losbricht. So bekommen Randalierer zu keinem Zeitpunkt die Chance, die Oberhand zu gewinnen. Allerdings, berichtet Jansen, sehe man den Beamten - und Beamtinnen - die Belastung durchaus an. "Die sind ganz schön verschwitzt unterm Helm." Ins ganz Berlin waren an diesem Abend etwa 5000 Polizisten im Einsatz, darunter Unterstützungskräfte aus anderen Bundesländern und von der Bundespolizei.

23:10 Uhr,
Adalbertstraße, Kreuzberg. Der Müllcontainer brennt jetzt doch. Dazu wird lautstark "Alle Bullen sind Schweine!" skandiert. Das Gefährliche sind die herumfliegenden Flaschen, die auch dann noch aus der Menge auf die Polizisten geworfen werden, wenn die gerade einen Randalierer abführen. Dass dieser genauso wie die Polizisten getroffen werden könnte - offenbar egal.

23:02 Uhr, O2-Arena, Friedrichshain. Das griechische Basketball-Derby ist entschieden: Panathinaikos gewinnt am Ende 84:82, woraufhin die Piräus-Fans rasch die O2-World verlassen - nicht ohne zuvor noch einige Halsabschneider-Gesten in Richtung ihrer Widersacher zu machen. Die Panathinaikos-Fans feiern ausgelassen in der Halle. Die Polizei ist mit etwa 700 Beamten präsent, um zu verhindern, dass Basketball-Hooligans zu Berliner Mai-Randalierern stoßen.

23:00 Uhr,Adalbertstraße, Kreuzberg. Eine kleine Krawallmeute hält sich hartnäckig in der Adalbertstraße, die Polizei greift immer mal wieder ein. Ein paar Krawallkids ziehen einen Müllcontainer auf die Straße, versuchen ihn anzuzünden. Zwei Polizisten stürmen vor, schubsen die Jungs weg, ziehen sich zurück. Der Mob besteht hauptsächlich noch aus Abenteuerlustigen mit Bierflasche in der Hand. "Jung, stark, doof, besoffen", fasst Tagesspiegel-Reporter Jansen zusammen. Kein ernsthaft gefährliches Randalepotential, nur noch ein bisschen Katz-und-Maus, bis alle müde sind.

22:45 Uhr,
Adalbertstraße, Kreuzberg. Ist die Luft raus? Die Polizei hat das Feuer in der Adalbertstraße umstellt und damit unschädlich gemacht, zwischendurch brannte noch ein Abfalleimer, aber auch da war die Polizei schnell zur Stelle. Am Kottbusser Tor sind kaum noch Leute, nur in der Adalbertstraße ist noch etwas krawallträchtiger Betrieb. Steine fliegen im Moment nicht, vereinzelt kracht ein Böller, gibt es Gerenne und "Haut ab!"-Rufe. Die Hardcore-Fraktion scheint sich verabschiedet zu haben.

22:15 Uhr, Adalbertstraße, Kreuzberg. Es brodelt noch, die Randale zieht in Richtung Myfest. In der Adalbertstraße brennen ein paar Absperrgitter, Baumaterial, herumliegender Müll. Die Polizei hat den Zugang zur Oranienstraße abgeriegelt, lässt die Zündler vorerst gewähren, dann geht das Katz- und Maus-Spiel wieder los.

21:55 Uhr, O2-Arena, Friedrichshain
. In der O2-World ist die erste Halbzeit des Spiels zwischen den beiden griechischen Teams Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus zu Ende. Der Lärm ist ohrenbetäubend, aber Zwischenfälle blieben aus. Offenbar ist es den Ordnungskräften gelungen, wirklich sämtliche Wurfgeschosse und Feuerwerkskörper, die sonst zum Arsenal der griechischen Fans gehören, an den Eingängen zu beschlagnahmen. Dafür rauchen die Griechen wie die Schlote - und Scharen von ihnen verfolgen das Spiel mit freiem Oberkörper.

21:55 Uhr,
Kottbusser Tor, Kreuzberg. Zwischenfazit des Tagesspiegel-Reporters Frank Jansen: Mit ihrer rigiden Kleingruppentaktik schafft es die Polizei bisher gut, die Gewalt "abzuwürgen". Wenn sich ein Schwerpunkt bildet, stürmen die Beamten sofort "mit Gebrüll" hinein, versprühen Reizgas und greifen sich einige Leute heraus - oder auch nicht. Ziel ist offenbar vor allem, die Randalierer zu zerstreuen. Das Rondell am Kottbusser Tor ist zwar von Flaschen, Scherben und Steinen übersät, aber es konnten keine Barrikaden errichtet werden, haben keine Autos gebrannt.

  • Die Revolutionäre 1. Mai Demo startet traditionell am Kottbusser Tor. Mehr als 5000 Demonstranten haben sich am Freitagabend versammelt. - Foto: dpa
  • Schnell gibt es erste Krawalle. Steine und Flaschen fliegen gegen Polizisten in Kreuzberg. - A3464 Rainer Jensen (dpa)
  • Ein vermummter Autonomer beginnt, eine Barriere zu bauen. - Foto: ddp


21:45 Uhr, Heinrichplatz, Kreuzberg.

Zwei grün uniformierte Polizeitrupps mit Helmen haben sich ins Myfest bewegt. Sie stehen auf dem Heinrichplatz und warten, insgesamt etwa 60 Mann.


  • Vor dem Start. Die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo", die um 13 Uhr am Kreuzberger Oranienplatz starten sollte, war um 14 Uhr noch nicht losgezogen. - Foto: Anne Onken
  • Rote Fahnen. Die Teilnehmer bekundeten internationale Solidarität. - Foto: Henning Onken
  • Party und Politik. Die nach Polizeiangeben 1800 oft studentischen Teilnehmer der Mayday-Parade zogen ab 14 Uhr bunt geschmückt von Mitte über die Wilhelmstraße in Richtung... - Foto: Anne Onken

21:35 Uhr, Oranienstraße, Kreuzberg. Lustige Menschen tragen einen Bier trinkenden Typen auf einer Matratze über ihren Köpfen durch die Oranienstraße. So kann man auch Spaß haben.

21:30 Uhr, Kottbusser Tor, Kreuzberg.
Vor dem "Kaiser's"-Supermarkt steht ein älterer Mann, Durchschnittstyp, Schnauzbart, Brille. Er hält zwei Pflastersteine in der Hand. Der Tagesspiegel-Reporter bittet ihn, sie nicht zu werfen. Der Mann holt aus und schleudert die Steine energisch in Richtung Polizei. "Wenn du Angst hast, musst du woanders hingehen," sagt er.

Tagesspiegel-Reporter Hasselmann berichtet gleichzeitig, dass etliche vermummte Autonome es geschafft haben, ins Myfest einzudringen und die Polizei durch Steinwürfe und kleine Feuer ebenfalls hineinzulocken. Während drumherum die Fest-Besucher vor den Bühnen feiern und Musik hören, liefern sich Polizisten und Chaoten Scharmützel inmitten des Festes in der Adalbertstraße.
 
21:20 Uhr, Naunynstraße, Kreuzberg. Beim "Myfest" wird weiter gefeiert, als wäre nichts. Auf der Hip-Hop-Bühne wird weiter gerappt, vor dem "Viva con Aqua" in der Oranienstraße tanzen junge Leute zu Elektromusik, vorm SO36 legt ein DJ auf. Die Stimmung ist friedlich, der Unterschied zum Nachmittag ist lediglich, dass keine Eltern mit Kinderwagen mehr zu sehen sind.

21:15 Uhr,
Kottbusser Tor, Kreuzberg. Die Steine fliegen weiter. Auffällig ist, dass unter den Krawallmachern hauptsächlich Autonome und Punks sind. Immer wieder stürmen uniformierte Trupps die Menge, nehmen Randalierer fest. Dabei setzen sie auch Reizgas ein. Von einer Musikbühne wird skandiert: "Wir lassen uns unsere Party nicht verderben." Schaulustige drängen zurück in die Adalbertstraße, wollen sich in Sicherheit bringen.

21 Uhr,
Kottbusser Tor, Kreuzberg. Die angekündigte Abschlusskundgebung der Revolutionärsdemo hat nicht stattgefunden. Der Truck fuhr ab, weil immer noch Steine flogen und Unbeteiligte getroffen wurden. Vorher kam noch die Ansage an die Teilnehmer, sich unkenntlich zu machen. Seitdem liefern sich die Autonomen Scharmützel mit der Polizei. Die hat die Skalitzer Straße inzwischen abgeriegelt. Plastik- und Glasflaschen fliegen, Pflastersteine werden ausgebuddelt. Viel Rennerei.
 

20:45 Uhr, Kottbusser Tor, Kreuzberg. Einige Demonstranten ziehen trotzdem weiter, die Skalitzer Straße entlang. Andere versuchen, unter der Hochbahn herum liegendes Baumaterial auf die Straße zu ziehen, um daraus Barrikaden zu bauen. Die Polizei greift sofort ein. Schreie, Steinwürfe, dann kurze Pause, die Gruppen stehen sich gegenüber. Irgendwo hier steht auch der grüne Bezirksbürgermeister Franz Schulz herum, um sich die Lage anzuschauen.
 
20:35 Uhr, Kottbusser Tor, Kreuzberg. Die Polizei hat ein vorzeitiges Ende der "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration" erzwungen. Aus der geplanten Route nach Neukölln, über Hermannplatz und Kottbusser Damm zurück nach Kreuzberg wurde nichts. Der Weg war sehr viel kürzer. Am Kottbusser Tor wird zur Minute die Abschlusskundgebung abgehalten. Anmelder Kirill Jermak sagte dem Tagesspiegel, die Polizei habe selbst zur Eskalation beigetragen - allein schon durch ihr "aggressives Verhalten" bei der NPD-Demo in Köpenick am Morgen. Dass sofort nach Beginn des Marsches am Abend Steine und Flaschen geflogen sind, zeige, dass "die Leute Lust auf sowas haben", sagte Jermak.
 
20:20 Uhr, O2-Arena, Friedrichshain. Beim großen Basketballturnier in der O2-World ist das erste Halbfinal-Spiel beendet. Der FC Barcelona unterlag ZSKA Moskau 78:82. Die griechischen Basketball-Fans, deren Gewaltbereitschaft gefürchtet ist, konnten dem Spiel wenig abgewinnen. Sie bedachten sich während der gesamten Zeit auf den Tribünen der Halle gegenseitig mit Schmährufen. Im nächsten Spiel um 21 Uhr treffen Panathinaikos Athen und Olympiakos Piräus zum griechischen Duell aufeinander. Die Polizei ist gewarnt und wird nach dem Spiel vor allem zu verhindern versuchen, dass griechische Basketball-Hooligans zu Berliner Mai-Randalierern stoßen.
  

20:20 Uhr, Lausitzer Platz, Kreuzberg. Die Polizei hat einzelne Demonstranten heraus gegriffen, es gibt immer wieder vereinzelte Flaschenwürfe. Der Zug - die Polizei hat allein zu Beginn der Demo 5000 Teilnehmer gezählt - bewegt sich jetzt aber wieder, der Redner spricht von "Wut" auf viele Dinge. Die schwarz uniformierten Bundespolizisten gehen vorneweg, bilden eine Phalanx, ein Beamter hat die Hand auf der Schulter des anderen. Ein martialisches Bild. Gleich kommen sie an die Aral-Tankstelle an der Skalitzer Straße, der Ort, an dem die ersten Steine flogen.

20 Uhr, Kreuzung Lausitzer/Wiener Straße, Kreuzberg.
Der Zug steht. Auf einem hohen Eckhaus steht jemand in einem rosa Plüschhasenkostüm und winkt den Leuten zu, die Ohren wippen. Es herrscht gespannte Ruhe. Vom Truck kam die Ansage, die Polizei hätte gefordert, dass die Demonstranten sich erstens nicht mehr vermummen und zweitens keine Straftaten mehr begehen dürfen. Er sagt es in indirekter Rede und fügt dazu: "Bildet Ketten, passt auf eure Nebenleute auf!"  Es sind auffällig viele Schwarzjacken zu sehen, sie sind gut organisiert, verständigen sich mit Handzeichen, ein Fünf-Finger-Code.
 

19:50 Uhr,Lausitzer Platz, Kreuzberg. Am Lausitzer Platz zieht sich "grüne" (Landes-) und "schwarze" (Bundes-) Polizei zusammen. Eine Durchsage: Der Versammlungleiter solle sich sofort bei den Einsatzkräften melden, "die Zeit läuft". Derweil setzt sich der Zug wieder in Bewegung, der Demonstrationstruck steht genau unter der Hochbahn.

19:44 Uhr, Lausitzer Platz, Kreuzberg.
Die Lage auf der Demo ist im Moment wieder erträglich, der Zug bewegt sich weiter Richtung Wiener Straße. Vom Lautsprecherwagen der Linken kam die Durchsage, keine Steine zu werfen: "Ihr trefft die eigenen Leute!" Die Polizei will die Demonstration offenbar nicht auflösen, die sichtbaren Kräfte wären dafür wohl auch zu schwach.

  • Um kurz nach 18 Uhr startet die 18-Uhr-Demo vom Kottbuser Tor. Noch ist die Menge bunt durchmischt. - Foto: Jörg Zeipelt
  • Doch schon zu Beginn sind auch die späteren Krawallmacher anhand ihrer schwarzen Kapuzzen und Sonnenbrillen zu erkennen. - Foto: Jörg Zeipelt
  • Trotzdem bleibt es zunächst friedlich. Die verstreuten Demo-Gänger sammeln sich erst auf der Reichenberger Straße. - Foto: Jörg Zeipelt


19:35 Uhr, Heinrichplatz, Kreuzberg. 

Nur ein paar Straßen weiter: Während die letzten Meter der Autonomendemo an der Bühne vorbeiziehen, formieren sich einige Schlagzeuger zur spontanen Session, die Leute tanzen drumrum.

19:32 Uhr, Muskauer Straße, Kreuzberg.
"Die Stimmung ist jetzt richtig oben," berichtet unser Reporter. Ständig fliegen Steine und Flaschen gegen die Polizei. Nachdem Demonstranten und Polizisten sich zunächst an der Kreuzung Muskauer-/Manteuffelstraße gegenüber standen, bewegt sich der Zug nun langsam weiter, die Polizei immer vorneweg, im Steinhagel. Das Problem ist auch, dass die Muskauer Straße im Vorfeld nicht als Parkverbotszone ausgewiesen war. Es ist zu befürchten, dass hier bald Autos brennen werden.

19:26, Muskauer Straße, Kreuzberg.
Mitnichten! Kaum in die Muskauer Straße eingebogen, bewerfen Demonstranten die Polizeikette mit Steinen, schwarz uniformierte Bundespolizisten stürmen geschlossen in breiter Front, versuchen den Schwarzen Block zu spalten, drängen ihn zurück. Reporter Jansen duckt sich unter Steinen weg. "Jetzt geht es hier richtig zur Sache." Erste Festnahmen, Demonstranten am Boden. Tagesspiegel-Reporter Jörn Hasselmann berichtet von anderer Stelle: "In Angst und Panik vor der sich Bahn brechenden Gewalt nahmen Myfest-Besucher Reißaus, Mütter zerrten ihre Kleinkinder an den Händen davon, um sich aus der Gefahrenzone zu bringen." Und: "Die Demo-Teilnehmer bahnten sich mit Leuchtkugeln, die sie abfeuern, den Weg durch die Massen des Myfests. An der Spitze marschiert der Bezirksverordnete der Linkspartei in Lichtenberg, Kirill Jermak."

19:20 Uhr, Mariannenstraße, Kreuzberg.
Die Lage hat sich offenbar wieder beruhigt. Der Demonstrationszug bewegt sich problemlos durch die Mariannenstraße und über den Mariannenplatz.

19:11 Uhr, Mariannenstraße, Kreuzberg.
Erste Steine und Flaschen fliegen auf die Polizei. Derweil versucht der schwarze Block,  durchs Myfest zu ziehen. Dort feiern nach Polizeiangaben rund 15.000 Menschen.

19:00 Uhr, Kottbusser Tor, Kreuzberg.
Der Revolutionärszug steht zunächst wieder, jetzt werden Reden gehalten. Die ÖkoLinX-Politikerin Jutta Dittfurth ruft vom Demonstrations-Truck herab zu einem bundesweiten Schul- und Unistreik am 17. Juni auf. Außerdem sagt sie: "Die soziale Ordnung in Deutschland bleibt eine Gefängnisordnung." Im Verlauf der Wirtschaftskrise seien in Deutschland  100.000 Leiharbeiter "geräuschlos entsorgt" worden. Dittfurth heizt die Menge an: "Ulrike Meinhof hat Bambule empfohlen" - in einem Fernsehspiel über Mädchen, die sich gegen die Unterdrückung in ihrem Heim auflehnen - "wir auch!". Die Rednerin fragt, indirekt einen gewaltsamen Umsturz rechtfertigend: "Wäre die Bastille gefallen - nur durch Lichterketten? Wäre die Befreiung vom Faschistenpack denkbar - als Loveparade?"

19:00 Uhr, Mariannenplatz, Kreuzberg. Auf dem Mariannenplatz legt ein DJ türkische Discomusik auf. Spontan bilden sich Tanzkreise in der Menge, die Stimmung ist bestens, genau wie das Wetter. Bald müssten die Revolutionären Demonstranten hier vorbei kommen.

Video: 1. Mai: Der Nachmittag 


18:40 Uhr, Reichenberger Straße, Kreuzberg.

Die Autonomendemo ist gestartet. Vorneweg ein Transparent: "Kapitalismus ist Krieg und Krise", dahinter ein Block sonnenbebrillter Schwarzjacken, gefolgt von den "Antifaschistischen Linken". Palästinenserflaggen und Antifa-Fahnen sind zu sehen.
 

18:20 Uhr, Kottbusser Tor, Kreuzberg. Langsam formieren sich die geschätzt 2000 bis 3000 Teilnehmer der zweiten "Revolutionären 1.-Mai-Demonstration", auch 18-Uhr -Demo genannt, in der Reichenberger Straße. Sie will durch den Kreuzberger Kiez nach Neukölln ziehen. Dabei ist das Myfest so "brechend voll", dass Tagesspiegel-Reporter Frank Jansen es sich kaum vorstellen kann, dass der Demonstrationszug sich den Weg durch die Mariannenstraße bahnen können wird. Ein graubärtiger Mann verteilt Handzettel der "Ökologischen Linken": "Aufruhr, Revolte, Widerstand". Bundespolizisten in schwarzer Uniform, ohne Helm, beobachten die Szene.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten alles über das Myfest, die friedliche Mayday-Parade und die Ausschreitungen während der NPD-Demo am Vormittag...

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