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Walpurgisnacht und 1. Mai in Berlin : Wo demonstriert und gefeiert wird

30.04.2012 14:41 Uhrvon , und
Demonstrieren ja, aber bitte friedlich. Darauf hoffen viele Berliner auch bei den diesjährigen Demons rund um den 1. Mai. Foto: dpaBild vergrößern
Demonstrieren ja, aber bitte friedlich. Darauf hoffen viele Berliner auch bei den diesjährigen Demons rund um den 1. Mai. - Foto: dpa

UpdateFür gerechtere Löhne, gegen Gentrifizierung und gegen Rechts: In der ganzen Stadt wird demonstriert. Das Kreuzberger Myfest soll wieder zu friedlicher Stimmung beitragen. Eine Übersicht.

Die Polizei hat ihre Strategie für die Walpurgisnacht und den 1. Mai klar vorgegeben: "Krawallmacher offensiv festnehmen, aber zugleich versuchen, mit allen friedlich klarzukommen, die sich ansprechen lassen." 7000 Polizisten sind am Montag und Dienstag im Einsatz, um die Demos unter Kontrolle zu halten. Dabei ist die Polizeiführung unter Druck, denn die Szene hat in diesem Jahr aggressiver als bisher mit der Mobilisierung begonnen. Beim Myfest soll bereits zum zehnten Mal friedlich gefeiert werden. Ein Überblick:

Antikapitalistische Walpurgisnacht

Bisher war die gewaltträchtige "antikapitalistische Walpurgisnacht-Demo" traditionell durch Friedrichshain und Prenzlauer Berg gezogen.

Diesmal wurde sie überraschend durch den Sprengelkiez und Brüsseler Kiez in Wedding verlegt wurde, also in das Gebiet zwischen S-Bahnhof Wedding, dem Nordufer am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, der See- und Müllerstraße. Das hängt mit dem neuen, in der autonomen und linken Szene äußerst zugkräftigen Thema der revolutionären 1. Mai-Demos zusammen: der Gentrifizierung. Der Verdrängung der angestammten Bevölkerung "durch den Teufelskreis aus Besitzerwechseln, Sanierungen und stark steigenden Mieten", so ein Demoaufruf. Nicht nur Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte und Prenzlauer Berg seien davon betroffen, sondern neuerdings auch Wedding, meinen die Protestler.

Die Protestveranstaltung startet bereits am Montag, 30. April, um 14 Uhr mit Livemusik (Ska und Hip Hop) an der Gerichtstraße, Ecke Adolfstraße.

Unter dem Motto "Nimm, was Dir zusteht" werden am Abend tausende Protestler durch den Kiez marschieren. Die beginnt um 20 Uhr am Bahnhof Wedding, 1500 Teilnehmer wurden bei der Polizei angemeldet. Bereits am Vorabend des 1. Mai werden nach Polizeiangaben rund 3000 Beamten im Einsatz sein. Die Route führt über die Burgsdorfstraße, Lynarstraße, Sparrplatz, Sprengelstraße, U-Bahnhof Amrumer Straße, Ostender Straße, Genter Straße, U-Bahnhof Seestraße, Müllerstraße, U-Bahnhof Wedding.

So war der 1. Mai im vergangenen Jahr:

Myfest

Am 1. Mai selbst trägt seit 2003 das von Anwohnern und Bezirksamt organisierte Myfest dazu bei, dass es in Kreuzberg am ersten Mai etwas friedlicher zugeht. In diesem Jahr findet es zum zehnten Mal statt, rund um die Kreuzberger Oranienstraße und Mariannenplatz.

19 Bühnen wird es in diesem Jahr geben, unzählige Essens- und Getränkestände und zehntausende Berliner und Touristen, die zwischen Oranienplatz und Görlitzer Bahnhof ausgelassen auf der Straße feiern. Rein rechtlich ist das Bezirksamt der Organisator des Myfestes. Tatsächlich haben die Anwohner bei der Organisation fast freie Hand. Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) greift nur ein, wenn es ernst wird. Wie im vergangenen Jahr, als plötzlich Dutzende Mitglieder der Hells Angels vor einer Bühne auf dem Oranienplatz Stellung bezogen und sich als offizielle Sicherheitsleute gebärdeten. „Wir haben uns mit den Veranstaltern darauf geeinigt, dass Rocker, gleich welchen Vereins, auf dem Myfest nicht hinnehmbar sind“, sagt Schulz. Es sei daher „auszuschließen“, dass in diesem Jahr wieder Hells Angels im abgesperrten Bereich einer Bühne auftauchen. Dafür sollen auch die rund 15 Mitarbeiter des Bezirksamts sorgen, die zusammen mit dem Landeskriminalamt die Einhaltung der Regeln auf dem Fest überwachen werden.

Insgesamt hat sich das Konzept am Myfest bewährt. Seit Silke Fischer 2002 die Idee zum Myfest entwickelte und bis 2009 selbst organisierte, hat sich das Gewaltpotenzial in Kreuzberg am Maifeiertag stark reduziert. Man werde daher am Grundkonzept nichts ändern. Dazu gehört auch das strikte Verbot von Flaschen und Dosen, das schon in den vergangenen Jahren gut funktioniert habe, meint Bürgermeister Schulz.

Abends in Kreuzberg: Video von Krawallen im Jahr 2009:

Video zum Artikel:
1. Mai: Krawall in KreuzbergVideo abspielen
Berlin  02.05.2009  Min1. Mai: Krawall in Kreuzberg

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