Berlin : Erstes Jubiläum im Ärztezentrum für Obdachlose

Lena Hach

Im einzigen Backsteingebäude der Pflugstraße in Mitte ging es gestern hoch her: Das Gesundheitszentrum für Obdachlose und sozial benachteiligte Menschen feierte seinen ersten Jahrestag – gebührend mit Gulasch und Blechkuchen. Die Gründerin des Zentrums, Jenny De la Torre, die zur Finanzierung die gleichnamige Stiftung ins Leben rief, zog auch vorläufig Bilanz: Rund 2400 Mal seien die ehrenamtlich arbeitenden Ärzte konsultiert worden, mehr als 8700 Mahlzeiten wurden ausgegeben. Unter anderem unterstützen eine Augenärztin, eine Allgemeinmedizinerin und eine Apothekerin in Rente das Zentrum. Die Einrichtung sei weiterhin die bundesweit einzige dieser Art, sagte die 59-Jährige.

Jetzt soll das medizinische Angebot ausgeweitet werden. „Jeden Tag wird nach einem Zahnarzt gefragt“, sagte die ausgebildete Kinderchirurgin, die als Deutschlands erste Obdachlosenärztin bekannt wurde. Zwar sei die Zahnarztpraxis im Haus bereits fertiggestellt, es fehle aber ein Facharzt. Da 70 Prozent der Patienten keine Krankenversicherung haben, werden auch Ärzte gesucht, die hin und wieder kostenlos behandeln. Das Gesundheitszentrum bietet neben einer psychologischen auch eine Sozial- und Rechtsberatung. Seit kurzem gehört überdies eine Friseurin zum Team – auf dem Schild vor dem Haus, das die Sprechzeiten verkündet, ist aber noch Platz gelassen worden. Lena Hach

Das Gesundheitszentrum ist montags bis donnerstags von 8 bis 15 Uhr geöffnet, freitags von 8 bis 14 Uhr.

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