Berlin : Erstklassige Quote in der dritten Klasse

Wenn Eishockey-Oberligist Berlin Capitals spielt, dann schauen viele zu – besonders im Fernsehen

Claus Vetter

Die Kunde von der Quote war ein Schocker. 170 000 Fernsehzuschauer, fast ausschließlich aus Berlin, sollen sich Woche für Woche Eishockey-Spiele anschauen. Und dabei handelt es sich nicht um Auftritte der Eisbären, Spitzenteam aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), nein, die Capitals sind gemeint. Die spielen in der dritten Liga und haben der Konkurrenz eines voraus: einen Fernsehvertrag. Seit dieser Saison berichtet TV Berlin von Spielen der Capitals in der Deutschlandhalle – zeitversetzt, dafür in großzügigem Zeitfenster. Drei Stunden dauern die Übertragungen, garniert mit Filmchen. Und für Interviews folgt der moderierende ehemalige Fußballprofi Axel Kruse den Eishockey-Profis bis in die Kabine.

Ein Konzept, dass ankommt – trotzdem erscheint die Quote fabelhaft. Ermittelt wurde sie vom Hamburger Meinungsforschungsinstitut AC Nielsen. 4500 Haushalte hat das Unternehmen bundesweit mit Dekodern bestückt, 410 sind davon im Raum Berlin. Eine Zahl, die einiges relativiert: Schaltet ein Berliner Dekoderbesitzer auf TV Berlin, dann wird das hochgerechnet auf die Einwohnerzahl der Stadt. Natürlich seien die ermittelten „Fallzahlen Schwankungen unterworfen“, sagt ein Mitarbeiter von AC Nielsen. Doch sei die Dekoder-Methode, „die beste, die es gibt“. Zapper hätten keine Chance, mitgezählt zu werden. Mindestens drei Minuten muss der Zuschauer zuschauen.

TV Berlin-Sportchef Jan Möller freut sich über den Erfolg mit den Capitals. „Ich habe sogar schon eine Email aus Marokko bekommen. Dort treffen sich ein paar Freunde regelmäßig, um die Capitals zu sehen.“ TV Berlin ist auch über Satellit zu empfangen. Ein paar Ligen über den Capitals ist die Verwunderung über den Quotenschocker aus Charlottenburg groß. Eisbären-Geschäftsführer Detlef Kornett reagierte patzig. „Weder Produktion noch Spielniveau sind Aushängeschilder für das Eishockey“, sagte er.

Möller konterte. Er frage sich, „ob Herr Kornett überhaupt den nötigen Sachverstand hat“. Nun gut, an sich würde TV Berlin auch lieber mehr von den Eisbären zeigen, doch hat die DEL einen Vertrag mit dem Pay-TV-Sender Premiere. Und trotz der tollen Quote bei den Capitals wird es dauerhaft wohl keine Übertragungen aus der Eishockey-Oberliga geben. Der Kontrakt mit den Capitals läuft am Saisonende aus. Möller will „die sportliche Entwicklung abwarten“. Da sieht es für die Capitals nicht so gut aus. Das Team ist nur Mittelklasse. Sollten die Capitals nicht irgendwann aufsteigen, dann könnte TV Berlin abschalten.

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