Berlin : Erstmal noch ein Pint

Das Wetter war den englischen Fans zu britisch: Sie feierten vor dem Freundschaftsspiel in den Pubs

Das trübe Wetter bewog wohl auch die englischen Fußballfans am Mittwoch, sich die Zeit bis zum Anpfiff des abendlichen Freundschaftsspiel im Olympiastadion in den Pubs zu vertreiben. Auf den Straße, in den Bussen und Bahnen blieb es am Nachmittag dagegen unerwartet ruhig. Das „Oscar Wilde“ in der Friedrichstraße dagegen, einem Irish Pub und trotzdem traditionellem Treffpunkt englischer Fußballfreunde, war bereits gegen Mittag prall gefüllt. Rund 100 englische Fans, die meisten von ihnen ausgestattet mit roten Trikos und Schals, saßen und standen dicht zusammengedrängt und die Barkeeper kamen mit dem Zapfen kaum hinterher. Auch Dan und seine Freunde bevorzugten es, hier ein paar Pints zu trinken statt draußen im Nieselregen umher zu laufen. Wie ihnen Berlin gefalle? „Es regnet“, sagt Dan, „eigentlich ist es wie in London.“ Sonst habe er noch nicht viel gesehen. Mit vier Freunden ist der 23-Jährige für das Länderspiel nach Berlin gekommen. „Heute betrinken wir uns, das muss sein zum Fußball“, sagt er. „Morgen schauen wir uns die Stadt an.“ Seit drei Jahren reist Dan zu Auswärtsspielen seiner Nationalmannschaft und nutzt diese Ausflüge auch für ein wenig Sightseeing. Die „Mauer“ wolle er noch sehen und auf den Fernsehturm hinauf. Auch Dans Freund Charles ist zum ersten Mal in Berlin. „Wir wären gern zur WM hier gewesen.“ Freunde hätten ihm von den Fanfesten zur Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland erzählt und wie gut überall die Stimmung überall gewesen sei. Ein Bildschirm an der hinteren Wand des Pubs zeigt Spielausschnitte und aktuellen Meldungen über die englische Mannschaft. Fünf Fans von der Insel seien verhaftet worden, heißt es da. „Fünf, das ist doch nicht viel“, kommentiert Charles.

Auch die Stimmung im Pub ist zwar ausgelassen – aber friedlich. 80 Prozent der Anwesenden würden später ins Stadion fahren, vermutet Uwe Siegemund, Besitzer des Pubs. Für ihn bedeuteten Spiele der Engländer, die er im regelmäßig zeigt, immer guten Umsatz. Aber in diesen Tagen des Länderspiels in Berlin ist es besonders voll. Probleme mit Randale oder Schlägereien hatte Siegemund noch nie. „Es ist immer friedlich“, sagte er. „Es wird getrunken und gefeiert, auch mit Deutschen zusammen.“ Einen Grund, seine Kneipe am Abend für deutsche Fans zu schließen, sieht Siegemund nicht.

Genau gezählt hat die englischen Fans die Bundespolizei: 2926 kamen mit Flugzeugen in Tegel und vor allem in Schönefeld an. Dazu trafen mehrere tausend mit dem Zug ein, da Flüge nach Lübeck oder Hannover billiger waren. 750 Beamte der Bundespolizei waren gestern im Einsatz, dazu 1500 Berliner Polizisten. Unterstützt wurden sie von Beamten der britischen Polizei, so genannten „Spottern“. Sieben besonders gewaltbereite Hooligans wurden von ihnen angesprochen und ermahnt. Zudem wurden 140 „Risikofans“ von den britischen Beamten identifiziert, die während ihres Aufenthalts besonders beobachtet werden. Für Einreiseverbot habe es in diesen Fällen keine Grundlage gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

In der Ankunftshalle von Schönefeld wurden auch zwei Berliner Fußball-Schläger von Ermittlern der Berliner Spezialeinheit „Hooligan“ erkannt. Die polizeibekannten Männer seien dort als „Aufklärer“ unterwegs gewesen, hieß es – und wurden nach Hause geschickt. 17 weitere deutsche Krawallmacher wurden in der Stadt angetroffen und angesprochen. In der Nacht zu Mittwoch hatte es erste Attacken betrunkener britischer Fans gegeben. Fünf englische Fans wurden wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs festgenommen, 15 weitere erhielten Platzverweise. Am Alexanderplatz hatten Engländer eine Gruppe von Zivilpolizisten attackiert, die von ihnen für deutsche Fans gehalten worden waren. amy/Ha

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