Erstochener Jugendlicher : Dreitausend Trauernde nehmen Abschied von Jusef El-A.

Der 18-Jährige Jusef El-A. wurde in Neukölln erstochen – nun fand die Trauerfeier statt. Zum Friedhof kamen so viele Menschen, dass die Polizei die Straße sperren musste.

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23.03.2012: Tränen und Nachdenken. Das Deutsch-Arabische Zentrum hatte zur Gedenkveranstaltung für den 18-jährigen Jusef El-A. aufgerufen. Er war am vierten März bei einer Auseinandersetzung nach einem Fussballspiel in Neukölln erstochen worden.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
23.03.2012 20:4723.03.2012: Tränen und Nachdenken. Das Deutsch-Arabische Zentrum hatte zur Gedenkveranstaltung für den 18-jährigen Jusef El-A....

Der Himmel ist grau, und über Neukölln liegt eine beklemmende Stille. Dabei sind doch etliche Menschen hier in der Flughafenstraße unterwegs. Bis auf die Straße stehen die Männer dicht gedrängt und beten. Es sind so viele zur Trauerfeier in die Dar-Assalam Moschee gekommen, dass die Polizei schließlich die gesamte Straße sperren muss und die BVG ihre Busse umleitet.

Über den Dächern von Neukölln ertönen Klagelieder. Dann zieht die Trauergemeinde weiter in Richtung Friedhof. Nur 400 Meter sind es bis zur Grabstätte an der Sehitlik Moschee.

„Es gibt keinen Gott außer Allah!“, skandieren einige. „Es gibt keinen Gott außer Allah!“ Dann heben sie den Holzsarg aus dem silbernen Mercedes und tragen ihn die letzen Meter per Hand zum Friedhof. Ganz langsam war das silberne Bestattungsfahrzeug vorher über den Columbiadamm gerollt – begleitet von knapp 3000 Menschen. Sie alle sind gekommen, um sich von Jusef El-A. zu verabschieden.

Der 18-Jährige war am Sonntag nach einer Auseinandersetzung in der Fritzi-Massary-Straße durch einen Messerstich getötet worden. Viele, die den Jungen kannten, stehen nun auf der platt getretenen Rasenfläche des Friedhofs. Die Familie, viele Freunde aus der „Weißen Siedlung“, wie das Hochhausviertel nahe der Sonnenallee genannt wird.

Es ist eine hektische Beisetzung, die an diesem Freitagnachmittag auf dem Friedhof am Columbiadamm folgt. Jeder drängt sich um den Sarg, will nahe dran sein, wenn Jusef bestattet wird.

Um sich ein Bild davon zu machen, wie der Leichnam ins Grab gelegt wird, klettern einige Männer sogar in die Bäume. Viele halten ihre Handykameras in die Höhe, um Fotos zu machen.

Frauen sind wenige anwesend. Im Islam ist ihre Teilnahme an der Bestattungszeremonie nicht verboten, aber unüblich.

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