Berlin : Erwachsene gibt es schon genug

Jerry Lewis alberte sich am Wochenende durch die Stadt

Anne-Dore Krohn

Vor den Fenstern der American Academy liegt am Sonntagmorgen ruhig der gefrorene Wannsee, drinnen rudert der amerikanische König des Comedy mit den Händen, schneidet Fratzen und rollt mit den Augen. Jerry Lewis, der im März 80 Jahre alt wird, thront in einem Ledersessel und erzählt— ein Alleinunterhalter, der eine Episode der anderen folgen lässt und einen Witz dem nächsten. Gesprächspartner in der American Academy ist Filmkritiker Michael Althen, doch er ist wenig mehr als ein Stichwortgeber. Kaum anders erging es Michael Mittermeier, der am Abend zuvor als deutscher Komikerkollege mit Lewis im Goya-Club eine ZDF-Gala aufgezeichnet hatte.

Jerry Lewis lenkt das Scheinwerferlicht einfach auf sich, egal, wo er auftaucht. Das war auch bei der Verleihung der Goldenen Kamera so. Aus Deutschland komme die meiste Fanpost, erzählt Lewis, er wisse gar nicht mehr, wer wen zuerst geliebt habe, die Deutschen ihn oder er die Deutschen.

Inmitten des Scheinwerferlichts gibt sich der Slapstickkomiker jedoch bescheiden. „Der eigentliche Star war Dean“, insistiert Lewis, als er über die Zeit mit dem Entertainer Dean Martin berichtet. Mehrere Jahre standen sie zusammen auf der Bühne, Martin sang, Lewis hampelte herum. „Die Leute haben mir zu Unrecht viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt.“ Als sich die beiden voneinander trennten, war das, als breche eine Ehe auseinander. „Wir waren wie ein Liebespaar“, erzählt Lewis, „deswegen konnten wir auch keine Freunde bleiben.“ Erst 20 Jahre später inszenierte Frank Sinatra vor laufenden Kameras ein Wiedersehen, bis zu Dean Martins Tod 1995 verloren sie sich danach nicht mehr aus den Augen. Jerry Lewis ist deutlich die Rührung anzusehen, als er über den Verlust des Freundes spricht. Auch während der ZDF-Gala im Goya erzählte Lewis aus seinem Leben. Schließlich soll die Sendung am 15. März zu seinem 80. Geburtstag laufen. „Eigentlich ist es nicht mein 80.“, sagt Lewis und lacht. Im Prinzip sei er seit 71 Jahren neun Jahre alt, er habe nie aufhören wollen, ein Kind zu sein. Es gebe schließlich genug Erwachsene in der Welt. Doch auch an dem ewig Neunjährigen sind die Jahre nicht spurlos vorbeigegangen: Lewis leidet an einer Lungenkrankheit, die Wirbelsäule ist von den vielen Stunts lädiert. Jeder Tag sei mit Schmerzen verbunden.

Doch die will er sich nicht anmerken lassen. „Lachen ist immer noch die beste Medizin“, sagt er. Die Menschen seien viel zu verkrampft, ab und zu sollte man einfach spontan „etwas Blödsinniges“ tun. Zum Beispiel einer Frau im neuen Kleid sagen, dass sie furchtbar aussehe. Ob es etwas Blödsinniges ist, als Lewis plötzlich sein kleines Hörgerät vermisst, verrät er nicht. Minutenlang suchen Bühnenmitarbeiter nach dem Gerät. Schließlich findet es sich in Lewis Schuh – den hatte er kurz ausgezogen für einen Sketch. Falls es tatsächlich nur Schusseligkeit war, hat der Komödiant trotzdem erreicht, was er liebt: Er hat alle zum Lachen gebracht.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben