Berlin : Erzbistum Berlin entlässt seinen Finanzchef

Claudia Keller/Martin Gehlen

Das Erzbistum Berlin hat seinen Finanzchef entlassen. Das bestätigte Pressesprecher Stefan Förner gegenüber dem Tagesspiegel. Der 49-jährige Jurist N. hatte erst im Mai vergangenen Jahres sein Amt übernommen und muss nun Ende April seinen Stuhl räumen. Zur Begründung für den überraschenden Schritt hieß es, N. sei als Jurist von den anstehenden Finanzproblemen überfordert. Auch macht ihm die Leitung der katholischen Kirche in Berlin offenbar zum Vorwurf, dass es ihm bislang nicht gelungen ist, für das Jahr 2004 einen Haushalt aufzustellen. Das Erzbistum muss Schulden in Höhe von 102,5 Millionen Euro abbauen. Vor einem Jahr waren es noch 148 Millionen Euro.

Noch Ende Januar hatte N. in einem Brief an die wichtigsten Bistumsgremien seinen Kurs verteidigt und über den Stand der Sanierung informiert. In dem vierseitigen Text kommt er zu dem Ergebnis, „dass die wirtschaftliche Sanierung des Erzbistums bisher sehr erfolgreich verlaufen ist“. Weiter schreibt N.: „Allerdings liegt noch ein großer Teil eines steinigen Weges vor uns. Über den bestehenden Sanierungsplan hinaus sind aufgrund der verabschiedeten Steuerreform und höherer Clearingzahlungen zusätzliche Sparmaßnahmen zu beschließen und umzusetzen.“ Die Clearingzahlungen sind Ausgleichszahlungen bei Kirchensteuereinnahmen, die das Berliner Bistum an die anderen Bistümer leisten muss, vergleichbar mit den Länderfinanzausgleich der Bundesländer.

Im Sanierungsplan der Beratungsfirma McKinsey ist vorgesehen, dass auch der Haushalt 2004 noch eine gewisse Deckungslücke aufweisen darf. Wegen der zusätzlichen Belastungen jedoch fehlen dem Bistum für die laufenden Kosten schätzungsweise 12 bis 15 Millionen Euro an Einnahmen. Der Treuhandausschuss, der im Auftrag der deutschen Bistümer die Sanierung der Berliner Finanzen überwachen soll, hat die Zahlung der zweiten Hilfssumme von 18 Millionen Euro davon abhängig gemacht, dass der Haushalt für dieses Jahr steht. Bisher gibt es aber noch nicht einmal einen Entwurf, heißt es aus Kreisen der anderen Bistümer.

Nach der von N. vorgelegten Bilanz sind im Jahr 2003 insgesamt 155 Vollzeitstellen abgebaut worden. Betroffen sind etwa 200 Mitarbeiter in der Verwaltung des Bistums und in den Kirchengemeinden. Ein Drittel der Entlassenen hat nach Angaben der Mitarbeitervertretung die Schlichtungsstelle angerufen und ist entschlossen, vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung zu klagen.

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