Berlin : Erzieherinnen im Großmutteralter

Ergebnis des Einstellungsstopps: Nur 24 von 4650 sind jünger als 30 Jahre

Viel ist von überalterten Lehrerkollegien die Rede – bei den Erziehern an Berliner Schulen sieht es allerdings nicht viel besser aus. Über 40 Prozent von ihnen haben die 50 überschritten, und nur 24 sind jünger als 30 Jahre. Dies entspricht einem halben Prozent der insgesamt 4650 Erzieher, wie aus der aktuellen Antwort auf eine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (Grüne) hervorgeht.

Ursache für die Überalterung sei der jahrelange Verzicht auf Neueinstellungen, bedauert Klaus Schröder vom Hauptpersonalrat. Die jungen Kräfte seien gezwungen, in andere Berufe zu gehen, ein Studium aufzunehmen oder Berlin zu verlassen. Vergleichbar sei die Situation in den Kindertagesstätten. Deshalb befürchten die Grünen ebenso wie die GEW, dass es bald zu einem Erziehermangel kommen wird. Aus Mutlus Anfrage geht nämlich außerdem hervor, dass die im Zentralen Personalüberhang vorhandenen Erzieher „nicht einsetzbar“ seien. Verschärfend kommt hinzu, dass laut Einschätzung der Bildungsverwaltung nur 100 bis 200 der insgesamt rund 800 arbeitslos gemeldeten Erzieher „vermittelbar“ seien. Mutlu geht deshalb davon aus, dass sich der bereits erkennbare Erziehermangel verstärken werde, allerdings scheine der Senat „den Ernst der Lage nicht zu begreifen“.

Mutlus Parteifreundin Elfi Jantzen hat den Senat zum Einstellungsbedarf an Kitas befragt. Aus der Antwort geht hervor, dass hier rund 350 Erzieherinnen über 60 Jahre alt, also absehbar zu ersetzen sind. Den weiteren Einstellungsbedarf durch den erhöhten Rechtsanspruch benennt der Senat nicht, da dies „den zeitlichen Rahmen für die Beantwortung einer Kleinen Anfrage übersteigt“. Jedenfalls gebe es keine Abwanderung in „nennenswertem Umfang“, zumal Berlin mit seinen „moderaten Miet- und Lebenshaltungskosten nach wie vor ein attraktives Umfeld“ darstelle. Zudem gebe es 1600 Studenten an den Erzieherfachschulen. sve

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