Berlin : Es darf gepflanzt werden

Geplanter großer Park am Gleisdreieck seit Mittwoch vertraglich gesichert

Christian van Lessen

Noch wirkt das weite Areal zwischen Möckern-, Yorck- und Flottwellstraße mit seinem wilden Wäldchen, den alten Gleisen, den Holperpfaden aus Kopfsteinpflaster und Bahngebäuden verwunschen. Wie entrückt von der Stadt und dem nahen Potsdamer Platz. Schon ab Herbst 2006 könnte hier der erste Teil eines 30 Hektar großen öffentlichen Parks entstehen. Der größten Parkanlage, die seit der Einheit in Berlin errichtet wird und – mit Bauten am Rand und in der Mitte ergänzt– eine grüne Verbindung zwischen Schöneberg und Kreuzberg schafft. Das gesamte Gelände könnte in etwa zehn Jahren fertig sein.

Bis zum Jahresende soll ein landschaftsplanerischer Wettbewerb beginnen, kündigte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) am Mittwoch an. Im Frühjahr sei mit einer Entscheidung zu rechnen. Die Senatorin will, dass „so viel wie möglich“ von dem vorhandenen Grün – etwa das wild gewachsene Wäldchen – erhalten bleibt. Naturschutz und Freizeitgestaltung könnten miteinander verbunden werden, die neue Grünfläche für die Bewohner in einem hochverdichteten Gebiet zu einem „Volkspark“ werden. Es ist eine Bürgerbeteiligung geplant, voraussichtlich am letzten Oktober-Wochenende soll es „zum Kennenlernen“ öffentliche Führungen über das Gelände geben. Die Senatorin unterzeichnete mit Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) von Friedrichshain-Kreuzberg und York von Pannwitz von der Immobiliengesellschaft Vivico, die ehemalige Bahnanlagen entwickelt, einen „Rahmenvertrag zur städtebaulichen Neuordnung des Gleisdreiecks“. Er gilt als Startschuss für das Projekt. Die Vertragspartner sprachen von einem „sinnvollen Kompromiss zwischen wirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Zielen“. Denn die Vivico darf nur Wohnungen und Gewerberäume bauen, etwa an der Flottwellstraße, weil sie dem Senat und dem Bezirk den Park garantiert und außerdem dem Technikmuseum Flächen für die Erweiterung zur Verfügung stellt. Ursprünglich hatten Bezirk und Bürgerinitiative Gleisdreieck neue Bauten an der Grünfläche abgelehnt. Für den Park stehen 24 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld kommt von den Investoren des Potsdamer und Leipziger Platzes. Sie haben es aufgrund städtebaulicher Verträge für Ersatz-Grün in der näheren Umgebung zur Verfügung gestellt und bei der Stiftung Naturschutz eingezahlt.

Mit dem Park setze der Senat seine Politik der Wiederbelebung von aufgegebenen Bahnflächen fort, sagte Ingeborg Junge-Reyer. Baustadtrat Franz Schulz betonte, mit dem Vertrag werde ein fast 20-jähriges Engagement und Durchhaltevermögen von Bürgern für einen großen Park belohnt. Vivico-Niederlassungsleiter von Pannwitz erinnerte daran, dass der ehemaligen Potsdamer und Anhalter Güterbahnhof bis zur Wende „Ost-Gebiet“ waren, Vermögen der Reichsbahn. Nun könne das Gelände behutsam entwickelt werden. Er sprach von „Evolution statt Revolution“.

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