Berlin : Es geht eine Party auf Reisen

Für Gastspiele in anderen Städten bringen sich Berliner Clubs die Gäste gleich mit

Arvid Kaiser

„Berlin fliegt aus!“ Alexander Görlich vom GMF-Club klingt euphorisch. Es geht zwar nur um eine Jubiläumstour, die der Club von Bob Young zum zehnjährigen Bestehen veranstaltet hat, aber es hört sich an, als würde Görlich mit der Bilanz einen neuen Partytrend ausrufen.

DJs des GMF legten zur Feier des runden Geburtstags in anderen Städten auf – und nahmen eine Schar von treuen Fans mit. Für einen Abend fuhren sie in eine fremde Stadt, um in neuer Umgebung, doch zugleich in der gewohnten Atmosphäre zu feiern. Nachts stiegen alle brav wieder in den Bus nach Hause. Nach Hamburg und Leipzig hat der GMF jeweils gut 50 Fans mit einem Pauschalangebot gelockt: Busfahrt mit Getränken und Snacks plus Clubeintritt für 30 Euro. „Es macht richtig Spaß“, sagt Görlich. „Ein Bus ist ein echtes Kommunikationsmittel.“ Endlich könnten sich die Clubgäste mal in Ruhe kennen lernen. Manche reisten sogar in weiter entfernte Städte, auch wenn das eine etwas teurere Flugreise bedeutete. Nach Stuttgart kamen im März immerhin 30 Clubber mit, auf mehrere Flieger verteilt. Görlich ist etwas enttäuscht, dass der Club kein Sonderangebot für einen Charterflug bekam. So wie vor zwei Jahren, als das GMF mit einem Flugzeug voller Partygäste nach Nizza reiste.

Ist das Clubleben in Berlin zu langweilig geworden? „Es hat wahrscheinlich eher etwas damit zu tun, dass Berliner Labels gefragt sind“, sagt Görlich. Deshalb plane das GMF auch Ausflüge in Metropolen wie London oder Rom. Gegenbesuche von Leipziger, Münchner oder Londoner Clubs seien ebenfalls in Aussicht.

Ähnlich optimistisch sieht man die Exportchancen bei Ostfunk. Das Label, das unregelmäßig Nächte mit elektronischer Musik in der „Maria“ organisiert, hat im Februar den ersten Ableger eröffnet - ebenfalls mit einer Busreise, die über 100 Berliner zu Dresdens Washroom brachte. „Es war super Stimmung. Das wollen wir jetzt ausbauen“, sagt Oliver Tatsch, einer der Betreiber. „Da sehen die Leute mal was anderes.“ Bis zum Herbst soll Ostfunk auch nach Schwerin und Wolfsburg kommen. Vorher schon sind dortige DJs nach Berlin eingeladen. „Unser Wunsch ist Ostfunk als Community“, sagt Tatsch.

Die Busse hatte Ulli Glasneck von Clubfeeling organisiert, der schon seit einigen Jahren Busreisen zu Technofestivals wie dem Mayday in Dortmund anbietet. Er ist etwas skeptischer gegenüber seiner eigenen Geschäftsidee. „Die Berliner sind sehr träge, was Partys angeht. Lieber jede Woche das Gleiche, als einmal im Monat was Neues“, murrt Glasneck. Auch die Billigflugkonkurrenz macht ihm Sorgen. Die habe ihm schon einen Festival-Shuttle aus Polen unrentabel gemacht. Trotzdem will er den Clubtourismus ausweiten. Demnächst soll daraus ein eigenes Projekt, „Clubfeeling Tours“, werden. Im Internet will Glasneck Fahrten zu Musikfestivals und Charterbusse für Clubs anbieten.

Die Clubcommission sorgt dafür, dass die Nachfrage nach Berliner Partyexport zunimmt. Der Verein Berliner Clubbetreiber arbeitet mit dem Tourismusmarketing zusammen und bewirbt einzelne Veranstaltungen im Internet. „Manche Clubs werben auch in internationalen Magazinen“, sagt Rainer Grigutsch von der Clubcommission. Ohnehin sei das Interesse gewachsen, seit die Messe Popkomm in Berlin stattfindet. Das Marketing trägt schon erste Früchte: In letzter Zeit kommen des Öfteren busweise junge Touristen aus England zu nicht mehr ganz so geheimen Geheimtipps wie dem Klub der Republik in der Pappelallee.

Informationen im Internet:

www.bobyoung.de, www.ostfunk.com, www.clubfeeling.de

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