Berlin : Es geht nur mit Studiengebühren

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„Die Universitäten werden die Finanzkrise nicht meistern können, ohne das Tabuthema Studiengebühren anzugehen.“ Dem SparSzenario des Finanzsenators stimmt Heinrich August Winkler, Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität, nur in wenigen Punkten zu. Sicher, in den zentralen Verwaltungen könne noch gespart werden. Und Fächer, die an allen drei Unis angeboten werden, könnten noch deutlichere Schwerpunkte bilden.

Aber nur wenn die Hochschulen aus zusätzlichen Geldquellen wie Studiengebühren schöpfen könnten, ließe sich der geplante „kulturfeindliche Kahlschlag“ vermeiden. Und nichts anderes wäre es aus Winklers Sicht, mehrfach angebotene geisteswissenschaftliche Studiengänge zusammenzulegen, weil sie für den Standort Berlin angeblich nicht wichtig sind. „Soll Wissenschaft etwa nur noch das sein, was sich unmittelbar rechnet?“, fragt Winkler. Wer so denke, offenbare ein „technokratisches Bildungsverständnis“ und zerstöre Wissen, ohne dass die Gesellschaft immer orientierungsloser werde.

Auch Pläne der Finanzverwaltung, Studienplätze an die kostengünstigeren Fachhochschulen zu verlagern, kritisiert der Historiker. Das sei nicht möglich, ohne in die Freiheit der Studienwahl einzugreifen. Studiengebühren nachträglich von Absolventen zu verlangen, die auf Grund ihres Studiums überdurchschnittlich gut verdienen, wäre dagegen ein Schritt zu „größerer sozialer Gerechtigkeit“.

Eine echte Einsparmöglichkeit am Fachbereichen sieht Winkler dann doch. Mancher jüngere Professor, der alle Aufsätze am Computer schreibt, braucht vielleicht keine eigene Sekretärin mehr. Winkler selbst schreibt mit der Hand – und lässt’s dann in den Computer tippen. -ry

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