Berlin : „Es gibt für mich keine Denkverbote“

Sabine Kunst über den künftigen Job im Kabinett

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Frau Kunst, Sie werden Wissenschaftsministerin. Was reizt Sie daran?

Ich habe überlegt, alles abgewogen und dann mein Herz über die Hürde geworfen. Brandenburg hat eine tolle Hochschullandschaft. Ich denke, dass ich etwas bewegen kann.

Es passt nicht zum Ruf, der Ihnen vorauseilt, seit Sie von der Bertelsmann-Stiftung zu Deutschlands „Hochschulmanagerin 2010“ gekürt wurden. Haben sie bei Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wirklich keine Bedingungen ausgehandelt?

Mir sind die Rahmenbedingungen für die Wissenschaft aus meiner bisherigen Tätigkeit bestens bekannt. Alles Weitere, auch den Umgang mit Sachzwängen, die es immer gibt, kann man klären, wenn es so weit ist. Mir geht es darum, kreative Lösungen zu finden, auf andere zuzugehen, mit Argumenten zu überzeugen, um das Beste herauszuholen.

Als Uni-Präsidentin haben Sie Etat-Kürzungen durch die rot-rote Regierung kritisiert. Nun müssen Sie selbst nach einem Kabinettsbeschluss 27 Millionen Euro im Ministeriumsetat 2012 einsparen. Fürchten Sie um Ihre Glaubwürdigkeit?

Die Eckwerte sind da. Ich werde mit aller Kraft dafür arbeiten, machbare Lösungen zu finden und Variationen zu erreichen. Ich weiß, dass Herrn Platzeck die Hochschulen und die Kultur prioritär wichtig sind.

Ein Gutachten der Potsdamer Universität empfahl der Regierung, an den Doppelstandorten Potsdam und Cottbus jeweils die Zusammenlegung von Universität und Fachhochschule. Ein sinnvoller Ansatz?

Es gibt keine Denkverbote.

Sehen Sie Reserven in der Hochschul-Kooperation mit Berlin?

Die Hochschullandschaft Brandenburgs ergänzt sich perfekt mit der Berliner. Man muss sehr sorgfältig abwägen, ob da noch mehr möglich ist.

Wie hat eigentlich Ihre Familie reagiert?

Meine Familie ist Kummer gewöhnt. Und trägt es mit. Ich habe ja auch jetzt schon wenig Zeit.

Hatten Sie kein Problem mit Rot-Rot?

Ich bin an Sacharbeit interessiert. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie erfolgreich eine Koalition der Vernunft ist, also der Austausch von Argumenten, die Suche nach dem besten Weg. Das hängt nicht von Parteibüchern ab. Damit bin ich immer gut gefahren.

Werden Sie sich nach der SPD auch in allen anderen Fraktionen vorstellen?

Ich bin dazu gern bereit.

Warum sind Sie eigentlich in keiner Partei?

Ich habe dafür keine Veranlassung gesehen. Und sehe das jetzt auch nicht.

Wie bereiten Sie sich auf den neuen Job vor, den Sie am 23. Februar übernehmen?

Ich mache mich kundig, recherchiere, werde viele Gespräche führen, sodass meine Lernkurve steil nach oben geht.

Sie werden auch für Theater, Museen, Orchester, Denkmalschutz und Kirchenfragen zuständig sein. Was heißt das für Sie? Sieht man Sie ab sofort jeden Abend im Theater? Und an den Wochenenden auf Fontanes Spuren in der Mark?

Das tue ich sowieso, das war immer schon mein Vergnügen. Ich lerne Brandenburg nicht erst jetzt kennen. Es ist mein Grundverständnis: Kunst und Wissenschaft bereichern sich gegenseitig.

Sie sind Präsidentin des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD). Was nun?

Ich werde das Amt leider abgeben müssen. Das bekümmert mich.

Das Interview führte Thorsten Metzner

Sabine Kunst, 56,

ist Präsidentin der Uni Potsdam. Spezialgebiet der Politologin und Bauingenieurin ist Wasserwirtschaft. Sie leitet den akademischen Auslandsdienst (DAAD).

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