Berlin : Es gibt noch mehr Interessenten für Tempelhof

Der Bund bezweifelt die Wirtschaftlichkeit des Konzepts für ein Gesundheitszentrum mit angeschlossenem Flughafen

Klaus Kurpjuweit

Für die Nutzung des Gebäudekomplexes am Flughafen Tempelhof gibt es nach Tagesspiegel-Informationen bereits mehrere Interessenten. Deshalb ist man beim Bund, an den das Gebäude nach der geplanten Aufgabe des Flugbetriebs durch die Berliner Flughafengesellschaft zurückfällt, zuversichtlich, eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den Komplex finden zu können. Ein weiterer Flugbetrieb sei dafür nicht zwangsläufig erforderlich, heißt es. Erwartet werden etwa ein halbes Dutzend Gebote mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten. Auch hier gebe es bereits Gespräche mit Interessenten, zu denen man sich aber nicht äußern wolle.

Bekannt geworden ist bisher lediglich das Konzept des amerikanischen Managers Fred Langhammer, der nach eigenen Angaben rund 350 Millionen Euro in den Bau investieren will. Entstehen sollen ein internationales Gesundheitszentrum, ein Hotel sowie ein Kongresszentrum. Zudem sind Flächen für Büros, Museen, Gastronomie, Atelierräume und Gewerbe geplant. Der Flugbetrieb soll dabei mit Geschäftsflugzeugen weitergehen, um Patienten aus dem Ausland anlocken zu können. Deshalb fordert Langhammer weiter, den Schließungsbeschluss auszusetzen und die Verhandlung der Klagen gegen die Schließung am 19. Dezember zu verschieben.

Darauf wollen aber weder der Bund noch Berlin und Brandenburg eingehen. Intensive Prüfungen hätten ergeben, dass ein Weiterbetrieb in Tempelhof den gültigen Planfeststellungsbeschluss für den Ausbau in Schönefeld gefährden könnte, sagte Senatssprecher Günter Kolodziej.

Langhammer beschäftigt sich seit rund zwei Jahren mit diesen Plänen. Dass sie jetzt bekannt geworden sind, bedauere man, sagte ein Sprecher Langhammers. Nun würden auch Mitbewerber dieses Konzept kennen, was in einem Wettbewerbsverfahren ein Nachteil sein könne.

Experten zweifeln auch daran, ob das Konzept Langhammers wirtschaftlich umzusetzen wäre. Würden die Hangars zum Teil weiter für den Flugbetrieb genutzt, gingen wertvolle Flächen verloren, für die man mit Gewissheit eine andere Nutzung finden könne, heißt es beim Bund. Zudem würden höhere Mieten, die eventuell bei einem Flugbetrieb zu erzielen wären, nicht ausreichen, um den Flugverkehr zu finanzieren. Das Jetcharterunternehmen Windrose Air, das in Tempelhof bleiben will, schätzt die Kosten für den Flugbetrieb auf jährlich 1,5 Millionen Euro.

Windrose Air hat jetzt gegen die geplante Schließung zum 31. Oktober 2007 eine Beschwerde „wegen der ungerechtfertigten Beschränkung ihrer Dienstleistungsfreiheit“ bei der EU-Kommission eingereicht.

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