Berlin : Es gibt nur einen Easy Rider

Eines will Berlinale-Gast Peter Fonda garantiert nicht: Ein Remake seines legendären Motorradfilms

Andreas Conrad

Die Spinnerbrücke? Der legendäre Biker-Treff an der Avus? Peter Fonda lacht, schüttelt den Kopf. Klingt gut, doch er hat noch nie davon gehört. Aber einiges hat er mit den Motorradfahrern in Berlin schon erlebt und erzählt es immer wieder gern, sei es vor „Easy Rider“ am Sonntagabend im Cinemaxx oder gestern beim Interview im zehnten Stock des Marriott-Hotels. Vor einigen Jahren war er schon einmal hier, hatte zufällig Geburtstag – und plötzlich tauchten Hunderte von Bikern aus ganz Deutschland vor seinem Hotel auf. Dessen Management dachte schon, die Hell’s Angels fallen ein, sie waren aber alle ganz harmlos, hatten Rosen und einen Geburtstagskuchen dabei, drehten mit Peter Fonda ein paar Runden. Unzählige Helme und Tanks musste er signieren.

Wie fühlt es sich an, jahrzehntelang auf die eine große Rolle, den ersten, nie wiederholten Erfolg reduziert zu werden: Captain America, der – „Born to be wild“ – mit Dennis Hopper und eine Zeit lang auch Jack Nicholson durch die Weiten der USA bretterte? Der Peter, der im Kino vors Publikum tritt und in seiner Lederjacke noch immer mit der alten Rebellenrolle kokettiert, hätte solch eine Frage wohl unwirsch zurückgewiesen. Der Peter im Hotel dagegen nimmt sie geduldig hin, auch wenn sie schon oft gestellt wurde. Ja, anfangs, da hat es ihn geärgert, dass man von ihm immer nur den kiffenden, Motorrad fahrenden Außenseiter wollte. Seinen Western „The Hired Hand“, mittlerweile als Klassiker anerkannt, habe niemand sehen wollen. Auch nach seinem Erfolg mit „Ullee’s Gold“ vor einigen Jahren – zweite Oscar-Nominierung! – wurde er auf der Straße immer nur mit Easy Rider oder Captain America begrüßt. „Du kannst dich darüber ärgern oder sagen, okay, das ist cool.“ Er hat sich fürs Zweite entschieden.

Ob es je eine Fortsetzung geben werde? Nicht mit ihm. Oft sei er darauf angesprochen worden, aber wie solle das gehen, die beiden Protagonisten liegen zum Schluss tot am Straßenrand? „Es ist doch hier nicht wie bei Dallas, wo Bobby erschossen wird, und dann war es nur ein Traum.“ Auch wegen eines Remakes wollte man ihn engagieren, als Berater. „Ich habe dann immer nur geraten: Lasst es sein.“

Bald wird er 64 Jahre alt, lebt fern vom alten Hippie-Land Kalifornien auf seiner Ranch in Montana. Ob er weiterhin Motorrad fahre? Na klar, wenn auch nicht mehr auf eine Marke fixiert wie im Film. Harley-Davidson, BMW, Ducati – er nimmt, was er kriegt. Dass Freiheit weit mehr bedeutet als nur „free wheelin’ on the road“, steht für ihn außer Frage: „Du musst hart arbeiten, um sie zu bekommen.“

Nur einmal gerät der freundliche ältere Herr mit dem noch immer jugendlichen Habitus in Rage, als er nämlich gefragt wird, was Captain America wohl zu der heutigen Situation in seinem Land sagen würde: „Schmeißt den Kerl raus!“ Für Fonda ist George W. Bush nur „der frühere Gouverneur“, mehr noch: „What an asshole!“ Sein Präsident sei das jedenfalls nicht, und was Bush nach dem 11. September in Gang gesetzt habe, erinnert Fonda stark an die Aktivitäten von McCarthys Ausschuss gegen unamerikanische Umtriebe in den fünfziger Jahren. United States, US – diese Abkürzung nimmt er sehr ernst. US, das bedeutet auch „uns“. Darüber müsste man viel mehr nachdenken. Aber in die Politik will Peter Fonda trotzdem auf keinen Fall einsteigen, schon aus einem simplen Grund nicht: zu wenig Geld.

Peter Fonda ist heute, 19.30 Uhr, in der Reihe „Talking Stars“ in der Kommandantur Bertelsmann, Unter den Linden 1, zu hören. Moderation Robert Fischer

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