Berlin : Es glitzert und glänzt: Monstranzen in der kirchlichen Schatzkammer

Die St. Hedwigs Kathedrale zeigt Kostbarkeiten aus den katholischen Kirchen der Region

Annette Kögel

„Schauen Sie mal, sieht die nicht galaktisch aus?“ Christine Goetz, Kunst-Expertin des Erzbistums Berlin, ist die Begeisterung ins Gesicht geschrieben. Wirklich ein Schmuckstück, diese expressionistische Monstranz mit den unzähligen Schmucksteinen. Das liturgische Gefäß gehört zur Ausstellung „Geheimnis des Glaubens“, die die St. Hedwigs-Kathedrale in Mitte jetzt präsentiert. Das erste Mal, dass man so viele Schätze aus katholischen Kirchen der Region an einem Ort betrachten kann.

Wer sich die Leihgaben anschauen will, muss zunächst die Treppen hinunter in die Schatzkammer der Unterkirche. Dort leuchtet und glänzt in voller Pracht, was sonst nur vereinzelt in Gottesdiensten oder bei Prozessionen zu sehen ist: Kelche und Löffelchen, Hostienschalen und Rauchfässer, Custodia, Ciborium und Reliquiar. Monstranz – das kommt vom lateinischen „monstrare“ und bedeutet „zeigen“. Wer Gottes Macht während einer Prozession demonstrieren will, trägt aber schwer daran. „Diese Trümmer können Sie allein fast gar nicht halten, da braucht man schon einen Tragegürtel“, sagt Christine Goetz. Beeindruckend üppig wirken die barocken Werke, filigran und aus vergoldetem Silber wie jenes der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul. Von verschwenderischer Pracht auch die Kelche aus der Zeit des Historismus von 1880 bis 1914. „Das gestalterische Niveau war erheblich höher als die vielfach lieblose Katalogware unserer Zeit, denn Pfarrer, Stifter und Gemeinden traten als selbstbewusste Auftraggeber auf“, ist im Leporello nachzulesen.

Monstranzen – bei der Schau in der St. Hedwigs-Kathedrale sind sie nicht nur ein Symbol göttlicher Macht, sondern auch ein Spiegel unterschiedlicher Epochen. So hielten auch Art-Deko und Jugendstil Einzug ins Gotteshaus. Demonstrativ nüchtern hingegen erscheinen Kelch, Monstranz und Hostienschale aus Silber und Bergkristall von Norbert Radermacher und der Silberschmiede Förster aus Aachen von 1999. Das betont schmucklose Prozessions-Accessoire aus Stahl und Plexiglas von 1986 wirkt fast wie ein Fremdkörper in der Edel-Schau. Der Ausstellungs-Macherin liegen diese Stücke dennoch eher am Herzen als jenes neu vergoldete Schmuckstück von Franz Wilhelm van den Wyenberg im Schaukasten gegenüber. „Bei diesem kitschigen Glanz bekommt man ja eine Gänsehaut.“

„Geheimnis des Glaubens“. Gefäße für die Liturgie aus drei Jahrhunderten. Ausstellung bis 22. 4. 2003 in der St. Hedwigs Kathedrale, Bebelplatz. Öffnungszeiten: täglich 10 bis 17 Uhr, an Sonntagen von 13 bis 17 Uhr. Eintritt gratis. Führungen nach Anfrage unter 203 48 10.

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