Berlin : Es grünt schon wieder

Die Saison der Weihnachtsmärkte hat begonnen. Tinnef wird oft nicht geduldet

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Der Neubau der Gedächtniskirche ist in Gerüste und Planen gehüllt, als wolle er sich schützen vor den profanen Versuchungen vor der Tür, vor Glühwein, Pizza und Ballwurfbuden. Doch das hilft nichts: Rund um die Kirche hat sich wieder der größte Berliner Weihnachtsmarkt ausgebreitet, die kurze Saison der bunten Buden ist in vollem Gange. Über 50 Weihnachtsmärkte gibt es in diesem Jahr in Berlin, von Mal zu Mal werden es anscheinend mehr – und alle bieten das Kernprogramm mit Glühwein, gebrannten Mandeln, Kunsthandwerk und mehr oder weniger sentimentaler Musik. Doch zumindest auf den prominenteren der Märkte hat sich die Berliner Linie durchgesetzt: Tinnef wird nicht geduldet, die Chinapfanne bleibt im Hintergrund, und was verkauft wird, das soll doch zumindest kunsthandwerklichen, wenn schon nicht unmittelbar weihnachtlichen Charakter haben. Kerzen, Schmuck, Ethno-Accessoires, gehobene Souvenirs gibt es in unzähligen Variationen.

Die wetterfeste Pizzeria an der Gedächtniskirche passt sich diesem Gebot durch den Ausschank von Glühwein eben noch an; ansonsten ist dies der Markt für die ganze Familie und ihren Besuch, die Buden bedecken längst das ganze Kirchenareal und reichen bis zur Nürnberger Straße. Ein Showprogramm auf mehreren Bühnen vertreibt eventuell trotzdem auftretende Langeweile – hier werden rund vier Millionen Besucher erwartet. Eher sportbetonten Charakter hat die „Winterwelt“ am Potsdamer Platz, die mit Rodelhang und Schlittschuhbahn punktet, zwischen dem Musicaltheater und dem Leipziger Platz aber auch eine Vielzahl von Ständen bietet.

Der Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt richtet sich eher an die Besserverdiener unter den Weihnachtsfreunden. Das Gelände ist umzäunt und bewacht, der Zutritt kostet einen Euro, dafür geht es besonders gediegen zu: Sogar ein echter Sternekoch werde dort edle Häppchen anbieten, hieß es. Nicht weit entfernt am Opernpalais gehen die Veranstalter wieder in die Vollen: Rund 130 Stände sind angekündigt, der Charakter ist bei aller Größe etwas gemütlicher als beispielsweise an der Gedächtniskirche.

Noch ein Stück weiter, noch ein Stück größer: Auf dem Schlossplatz am Palast der Republik hat sich der größte Weihnachtsmarkt der City Ost ausgebreitet, von weit her erkennbar am Riesenrad und dem dauerhaft lodernden Lagerfeuer. Er trotzt der Baustelle Unter den Linden - und ganz in der Nähe am Bebelplatz kommt am Wochenende noch eine besondere Attraktion hinzu: Berlins mit 700 Quadratmetern größte Eisbahn.

Auf dem Alexanderplatz gibt es neben den üblichen Attraktionen eine Eisbahn und sechs Märchenzimmer. Unschlagbar, was die historische Kulisse angeht, ist der Spandauer Weihnachtsmarkt in der Altstadt, der am Mittwoch beginnt. Am Wochenende sollen hier bis zu 450 Stände geöffnet sein. bm/chr

Informationen über alle Märkte gibt es unter www.weihnachtsmarkt-berlin.de.

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