Berlin : Es grünt zu grün

Unkraut und Gestrüpp wuchern in diesem Jahr wie selten zuvor – wegen der Hitze, und weil den Bezirken immer weniger Geld für die Pflege zur Verfügung steht

Tanja Buntrock

Es wächst und wächst und wächst. Unkraut und Gestrüpp nehmen in einigen Bezirken fast gefährliche Ausmaße an: Dann nämlich, wenn Geh- und Radwege überwuchert werden. In der Neuköllner Schillerpromendade beklagen Anwohner, dass man fast eine Machete braucht, um zum Altglascontainer zu kommen. Es ist das alte Lied: Die Bezirke haben weniger Geld für ihre Grünflächen zur Verfügung – und bekommen offensichtlich das Problem nicht in den Griff.

Beispiel Friedrichshain-Kreuzberg: Baustadtrat Franz Schulz (Grüne) beklagt, dass in den vergangenen Jahren die Gelder für das Grünflächenamt drastisch gekürzt worden sind. 2004 hatte sein Bezirk noch 880 000 Euro zur Verfügung, vergangenes Jahr waren es 100 000 Euro weniger. So seien die Rasenflächen im Görlitzer Park verkrautet und anschließend habe der Rasen wie eine Ackerfläche ausgesehen. Schulz hat sich deshalb schon vor zwei Jahren entschlossen, die Reinigung der Grünflächen komplett Fremdfirmen zu überlassen. „Das ist günstiger, denn wir zahlen nur für die wirklich erbrachte Leistung“. Die Pflege der Grünflächen hingegen übernehmen noch zu rund 80 Prozent Bezirksamtsmitarbeiter, den Rest erledigt auch eine Fremdfirma. „Die Gärtner im Grünflächenamt sind überaltert. Wir brauchen jungen, kräftigen Nachwuchs“, fordert Schulz. Wenn sich Bürger freiwillig bei der Grünflächenpflege engagieren, findet Schulz das „gut“. Doch der Staat könne sich nicht aus der Verantwortung ziehen. „Grünanlagen müssen konsequent gereinigt und gepflegt werden: Das kann kein Bürger leisten.“

Neukölln: Auch Neuköllns Baustadträtin Stefanie Vogelsang (CDU) beklagt, dass Naturschutz- und Grünflächenämter in den Bezirken „immer gern als Sparschwein hergenommen werden“. Nach den Kürzungen habe Neukölln nur etwa zehn Prozent des eigentlich benötigten Geldes zur Verfügung. „Unter all diesen Voraussetzungen schaffen die Mitarbeiter, die ihre Reviere kennen, gerade mal das Nötigste – anders als Firmen das könnten“, sagt Vogelsang. Sie sorgten entsprechend der Verkehrssicherungspflicht dafür, dass die Gehwege nicht zuwachsen, keine morschen Äste aus den Straßenbäumen fallen und Kreuzungen von allen Seiten einsehbar seien. „Alles darüber hinaus ist die Kür, die wir in vielen Fällen nicht mehr leisten können.“

Steglitz-Zehlendorf: Schon vor längerem hat Uwe Stäglin (SPD) die Anwohner in seinem Bezirk dazu aufgerufen, sich „zusätzlich um die Grünanlagen zu kümmern“. Der Vorschlag sei gut angekommen, sagt der Baustadtrat. „Einzelne Bewohner in Zehlendorf haben die Pflege der Grünstreifen übernommen“. Doch das könne kein Ersatz sein für die Arbeit des Amtes, das in diesem Bezirk mit großflächigen Grünanlagen zu tun hat. Sein Konzept: Um die Grünstreifen in Lankwitz, Lichterfelde und Steglitz kümmert sich eine Fremdfirma, die sich verpflichtet hat, Arbeitslose einzusetzen und vom Arbeitsamt gefördert wird. „Das spart uns Geld“, sagt Stäglin. „Wegen der Kürzungen müssen wir entscheiden, um welche Grünanlage wir uns mehr kümmern und um welche weniger.“

Marzahn-Hellersdorf: Baustadtrat Svend Simdorn (CDU) weiß nur eine Lösung: „Wir brauchen einfach mehr finanzielle Mittel.“ Anders könne das Grünflächenamt die Anlagen „nicht so pflegen, wie notwendig“. Zwar habe auch sein Amt bereits Fremdfirmen beauftragt, doch anders als der Kreuzberger Stadtrat sieht Simdorn nicht, dass es „auf lange Sicht kostengünstiger ist“.

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