Berlin : Es hat sich ausgesponnen

Der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner war in Berlin und Potsdam erfolgreicher als gedacht.

von und Katharina Wiechers

Berlin/Potsdam - In diesem Jahr ist Berlin dem Eichenprozessionsspinner zum ersten Mal großflächig mit einem Biozid zu Leibe gerückt – und das war nach übereinstimmenden Aussagen der beteiligten Bezirke ein großer Erfolg. Es konnten weitaus mehr Raupen abgetötet werden als zunächst angenommen wurde.

Statt der erwarteten 70 Prozent lag die Erfolgsquote bei 90 bis 95 Prozent, berichtet Monika Osteresch vom Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf. Da die Eichenprozessionsspinner aus dem Südwesten kommen, ist der Bezirk am stärksten betroffen und bekam vom Senat mit 160 000 Euro mehr als die Hälfte des bereitgestellten Gesamtbetrages bewilligt. Rund 4500 Bäume insbesondere in den Bereichen Dahlem und Wannsee wurden mit dem für Menschen und Säugetiere unschädlichen Margosa-Extrakt besprüht. Nur in Einzelfällen und in nicht behandelten Nebenstraßen mussten die Nester in der klassischen Weise abgesaugt werden.

„Wir haben einen so gut wie hundertprozentigen Erfolg“, berichtet auch Barbara Primus-Gyocsi vom Landschaftsplanungsamt Treptow-Köpenick. In den behandelten Bereichen der Wuhlheide, des Johannisthaler und des Treptower Parks habe es nach dem Biozid-Einsatz nur noch „zwei oder drei“ Nester gegeben. Primus-Gyocsi hält es im Interesse einer nachhaltigen Bekämpfung für dringend erforderlich, die Aktion im kommenden Jahr zu wiederholen und auszuweiten. Im Gegensatz zur Absaugmethode handele es sich um die effektivere und kostengünstigere Maßnahme. Auch aus Reinickendorf und Spandau ist von großen Erfolgen des Biozid-Einsatzes zu hören.

Der Eichenprozessionsspinner ist so gefährlich, weil sich im dritten Raupenstadium des Nachtfalters gefährliche Brennhaare bilden. Sie können in die Luft gelangen und bei Menschen schwere Haut- und Schleimhautreizungen bis hin zu Bronchitis, Asthma und allergischen Schockreaktionen verursachen.

Auch in Potsdam sind die Behörden zufrieden. „Derzeit liegen kaum Meldungen über Nester in frequentierten Bereichen der Stadt vor“, sagt Rathaussprecher Jan Brunzlow. Die Situation sei nicht vergleichbar mit der Lage im vergangenen Jahr, „als teilweise Bereiche abgesperrt werden mussten und die Bekämpfung kaum zu schaffen war“. 2012 wurden allein in Potsdam 13 000 befallene Eichen gezählt. Daher wurde in diesem Jahr vom Hubschrauber aus das Biozid Dipel ES gesprüht. Michael Kopka vom Landesforstbetrieb sagt: „Das war ein voller Erfolg.“ Auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten ist zufrieden. „Alle Gebiete, die besprüht wurden, sind frei von Eichenprozessionsspinnern“, sagt Sprecher Ulrich Henze. „Auf der Pfaueninsel durften wir Dipel ES nicht einsetzen, weil ein Teil geschütztes Fauna-Flora-Habitat ist. Dort ist der Befall schon jetzt sehr stark.“ Dies zeige, dass es die richtige Entscheidung gewesen sei, die Parks zu überfliegen.

An dem Einsatz hatte es vereinzelt Kritik gegeben. Vor allem Touristen fühlten sich nicht ausreichend informiert und standen während notwendiger Sperrungen vor verschlossenen Toren.

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