Berlin : Es ist nicht alles Käse, was reifen muss

Der Entertainer Bodo Wartke hat den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen

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Er wirkt wie der ideale Schwiegersohn: korrekt gekleidet, freundliches Wesen. Entertainer Bodo Wartke ist jemand, der höflich sein Publikum begrüßt, sich ans Klavier setzt, spielt – und dazu ein fröhliches Lied über einen geplanten Ehefrauenmord zum Besten gibt. Irgendwie klingen sogar Zeilen wie „Ich gehe in das Bauhaus und suche mit Bedacht eine Axt für meine Frau aus“ aus seinem Mund ganz charmant. Wartke hat Musik an der Universität der Künste studiert und für sein „Klavierkabarett in Reimkultur“ schon viele Nachwuchspreise gewonnen. Doch jetzt bekam er die wichtigste Auszeichnung überhaupt: den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Chanson/Musik.

Der Mann mit dem Hang zum Reimen fing schon als Kind an, Gedichte zu schreiben. Die ersten Songs zum Klavier kamen dann mit 15. In seinem ersten Soloprogramm beschrieb er später Kain und Abels Probleme beim Windsurfen oder spöttelte über die Love Parade „Sieh nur, wie hier jeder TechnoFreak sich lieblich im Takte des Technos wiegt! Welch ein ästhetisch-poetischer Tanz voll Anmut und Eleganz!“

Wartkes Klavierkabarett ist musikalisch anspruchsvoll und wird oft mit dem eines Georg Kreisler verglichen, sein höflich-korrektes Auftreten als Conferencier erinnert an den Geist der 20er Jahre. Als „angenehm altmodisch“ möchte er dennoch nicht gelten: „Ich wende mich nicht gegen meine Generation. Ich mag viele Arten von Musik. Ich mag es nur nicht, wenn Leute unauthentisch sind und Sachen von Dieter Bohlen singen, in schlechtem Englisch.“ Er selber feilt an seinen abstrus-lustigen Liedern teilweise über Jahre: „Schließlich ist nicht alles Käse, was reifen muss.“ son

Bodo Wartke ist heute um 21 Uhr mit „Achillesverse“ im Werk 9, Markgrafenstraße 22 zu sehen. Info: 20165823. Die TV-Aufzeichnung der Verleihung des Kleinkunstpreises läuft am 6. März um 20.15 auf 3sat.

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