Berlin : Es lebe die Laube

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VON TAG ZU TAG

Christian van Lessenüber ein

kleines Stück großer Freiheit

Wie war das noch: Der gute, alte Schrebergarten – ein Auslaufmodell? Als die Mauer fiel, galt er als out, ein Fossil mit Gartenzwerg. Das Umland schien so viel GrünErsatz zu bieten, was sollte da die kleine Scholle in der Stadt? Abgesänge gab’s auch schon in den achtziger Jahren, als die Politiker im Westteil der Stadt meinten, sie bräuchten Platz für 100000 neue Wohnungen, hauptsächlich auf Kleingartengelände.

Heute stehen 100000 Wohnungen leer. Die Laubenpieper haben harte Zeiten durchlebt. Jetzt sind die Abgesänge auf den Schrebergarten verklungen und Lobeshymnen allerorts zu hören. Hochmütiges Naserümpfen ist passee. Auch Akademiker haben das kleine und billige Glück im Grünen entdeckt: lieber die Laube in der Stadt als das teure Reihenhäuschen auf dem Land.

Es gibt Kolonien, an deren Zäunen hängen seit 20 Jahren dieselben Plakate: „Finger weg von unserem Grün“. Wollen wir vorsichtig wetten, dass sie in 20 Jahren noch hängen?

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