Es leuchtet : Mit Spenden viel bewegen für Berlin

285.000 Euro haben Tagesspiegel-Leser zum vergangenen Weihnachtsfest an unseren Spendenverein überwiesen – wieder ein Rekord. Das Geld ging an 57 Berliner Organisationen, Innitiativen und Vereine.

von , und Franziska Felber,Manuel Opitz

Es war wieder einmal eine Rekordsumme: 285 000 Euro haben unsere Leserinnen und Leser bei der 19. Weihnachtsspendenaktion „Menschen helfen!“ 2010/2011 gespendet. Die Schecks haben wir im Mai übergeben, ein Jahr haben alle Vereine Zeit, das Geld zweckgemäß einzusetzen. Vor Beginn der diesjährigen Aktion am ersten Advents-Wochenende wollen wir Ihnen, liebe Leser, darlegen, was ihr Geld schon alles bewegt hat. Die zwölf Projekte sollen stellvertretend stehen für alle 57 Spendenempfänger.

EIN WARMES BETT FÜR SÜCHTIGE

Wer über einen Drogenentzug nachdenkt, braucht zunächst einmal ein Zuhause. „Dazu gehört ein warmes Bett und saubere Bettwäsche“, sagt Heike Krause vom „Notdienst Berlin e.V.“. In der Charlottenburger Krisenwohnung des Vereins können Drogensüchtige übernachten, dafür müssen sie eine Drogenberatung besuchen. Bei täglich wechselnden Bewohnern ist der Verschleiß der 17 Schlafplätze enorm – von den Tagesspiegel-Lesern kam für eine neue Ausstattung eine Spende von 3000 Euro. „Wir waren auf großer Shopping-Tour bei Ikea und haben die Regale leer gekauft – Bettwäsche, Betten und Matratzen“, sagt Krause. Für die Bewohner sei das diesen Sommer wie ein zweites Weihnachten gewesen.

RAT FÜR MISSBRAUCHTE MÄNNER

Es ist bundesweit die einzige Anlaufstelle für sie: Männer, die als Jungen sexuell missbraucht wurden, finden bei „Tauwetter e.V.“ in Kreuzberg Gehör. Betroffene können per Telefon und persönlich über den Missbrauch reden – mit Psychologen und Sozialpädagogen, die selbst betroffen sind. Mit den 6000 Euro vom Tagesspiegel können die Räume der Beratungsstelle finanziert werden – das ganze Jahr. Auch die Kosten für Büromaterial, einen neuen Computer und einen Drucker sind gedeckt. „Die Tagesspiegel-Leser retten uns dieses Jahr“, sagt Jörg Schuh, Geschäftsführer des Vereins. 2010 haben sich rund 400 Betroffene an die Beratungsstelle von Tauwetter gewandt.

OBDACHLOSE BESSER BEHANDELT

Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht: Wenn Zahnärztin Adriana van der Poel in ihr Behandlungszimmer kam, sah sie den veralteten, defekten Zahnarztstuhl. Mit 20 000 Euro der Tagesspiegel-Spenden wurde im Juli ein neuer Stuhl gekauft, er leuchtet in schönem Blau. „Das Zimmer glänzt – das ist für die Patienten angenehm und wir können viel besser arbeiten“, sagt van der Poel. Sie arbeitet für die Jenny-De-la-Torre-Stiftung in Mitte, die Obdachlose gratis medizinisch versorgt. Die Ärzte sind ehrenamtlich tätig, die Geräte jedoch teuer. „Wir sind unglaublich dankbar für die Solidarität der Leser, die uns die Anschaffung des Stuhls ermöglicht hat“, sagt Stiftungsgründerin Jenny De la Torre.

ALLEINERZIEHENDEN GEHOLFEN

Die einen haben Zuwendung zu geben, die die anderen gut gebrauchen können: Erwachsene und Kinder mit nur einem Elternteil können eine bereichernde Beziehung eingehen – sie muss nur eingeleitet werden. Das tut der Verein „Biffy Berlin – Big Friends for Youngsters e.V.“ mit seinem Patenschaftsprogramm. Mit 6500 Euro kann seit Juni die Miete für die Büroräume in Kreuzberg für rund ein Jahr finanziert werden. „Wir sind den Tagesspiegel-Lesern so dankbar “, sagt Veit Hannemann, Vorsitzender des Vereins. Insgesamt laufen über 160 Patenschaften – seit Juni wurden fast 40 neue Paare zusammengebracht.

JUNGE MIGRANTEN GEFÖRDERT

Etwa 20 Kinder zwischen fünf und 13 Jahren kommen jeden Tag in den Kinder- und Jugendclub Aladdin in Kreuzberg, wo zwei Betreuer für sie da sind. Drei Viertel der Kinder haben einen Migrationshintergrund, viele Eltern beziehen Hartz IV, einige sind alleinerziehend. Sie werden bei Aladdin außerhalb der Schule gefördert, etwa sprachlich und motorisch. Die Finanzierung des Projekts aus Stiftungs- und Spendengeldern ist schwierig. Die Tagesspiegel-Leser halfen, die laufenden Kosten zu tragen: Mit 4400 Euro spendeten sie die Hälfte der Miete für ein Jahr. Ohne diese Hilfe hätten die Kinder keinen Ort gehabt, an dem sie Hörspiele und Filme schaffen oder Schattentheater spielen können. „Gerade üben sie kleine Weihnachtsstücke ein“, sagt Aladdin-Leiterin Monika Heinritzi-Svesnikov. „Und in der Werkstatt werden Trommeln und Flöten aus Holz gebaut.“

PSYCHISCH KRANKE ENTLASTET

Sie haben Panikattacken, Angst vorm Alleinsein oder sogar einen Suizidversuch hinter sich: Wenn eine Mutter mit Kind Hilfe beim Projekt „Dyade“ sucht, können sie eine Weile in der Krisenwohnung des Projekts des psychiatrischen Verbunds Prenzlkomm bleiben. Es sind Eltern, die vorübergehend nicht in der Lage sind, für sich und ihr Kind ausreichend zu sorgen. Das Projekt will sie psychisch stabilisieren. Rund 3100 Euro bekam Dyade, so wurde ein Jahr lang die Miete bezahlt: 257,98 Euro im Monat. Außerdem sei ein Kinderbett, ein Bollerwagen und ein Teppich angeschafft worden, sagt Antonia Jacobi. Vier Frauen mit Kindern bis sechs Jahre haben das Zimmer 2011 bewohnt.

Lesen Sie wie Straßenkinder versorgt werden und Wünsche schwerkranker Kinder erfüllt werden auf Seite zwei.

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