Berlin : Es muss nicht immer ein Château Lafite sein - Die teuersten Weine der Welt

Ulrich Sautter

Es gibt viele Weine, an denen eigentlich nur der Flaschenfabrikant etwas verdient haben kann. Bei anderen vermutet man, dass ihr Preis in italienischen Lire notiert wurde. Der teuerste Riesling, ein 1735er Johannisberger, erlöste vor 12 Jahren 54 000 Mark. Eine Flasche 1787er Château Lafite wechselte sogar für 420 000 Mark den Besitzer. Die armselige Pointe: Der Käufer stellte seine Neuerwerbung unter einem Strahler zur Schau. Innerhalb einer Stunde holte sich der Zahn der Zeit, was er über 200 Jahre lang vor seinem Zugriff verschont hatte: Der Flaschenhals dehnte sich, der Korken fiel hinein.

Oft stellt sich gerade bei sehr teuren alten Weinen die Frage: Kann man die noch trinken? Bei einem Winzer konnte ich einmal eine hundertjährige Retrospektive des Familienschaffens verkosten. Einige Jahrgänge aus den 1890er und 1910er Jahren waren herausragend. Da die geleerten Flaschen Unikate waren, bleibt ihr Wert allerdings hypothetisch. Auf die Frage nach dem potenzialreichsten jungen Wein nennen die meisten Weinfachleute Supertoskaner, Barolo und Bordeaux. Der Raritäten-Sammler Hardy Rodenstock dagegen favorisiert den 45er Mouton.

Alte Weine sollte man alle zwanzig bis dreißig Jahre öffnen, um brüchige Korken zu ersetzen. Solche Eingriffe müssen nicht unseriös sein. Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte, kann am kommenden Sonnabend bei der Koppe-Auktion im Schloßhotel Ritz-Carlton mitsteigern. Der 45er Mouton wird für 4500 Mark ausgerufen. Geradezu als Schnäppchen erscheint das Mindestgebot für eine Impériale-Großflasche 89er Pétrus: 12 000 Mark für 6 Liter Pomerol.

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