Berlin : Es muss nicht immer Techno sein

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Berliner Politiker erwarten härtere Zeiten für die Hauptstadt-Vermarktung, sollte die Love Parade auch in den nächsten Jahren unter Besucherschwund leiden. Gravierende Verluste für die Tourismusbranche befürchten sie aber nicht. „Die Love Parade ist ein Markenzeichen dieser Stadt geworden“, sagt Wolfgang Brauer, kulturpolitischer Sprecher der PDS im Abgeordnetenhaus. „Es wäre schade, wenn das mal verschwindet.“ Alice Ströver von den Grünen sagt, Großveranstaltungen seien nun einmal nicht von ewiger Dauer. „Natürlich ist das schade. Aber es wird immer neue Events geben, die die Leute in die Stadt holen. Der Christopher Street Day und dem Karneval der Kulturen zum Beispiel hatten dieses Jahr schon mehr Teilnehmer als die Love Parade.“

Brauer und Ströver sind sich einig, dass für Gaststätten und Hotels keine Gefahr bestehe. „Die Leute bringen sich ihr Essen sowieso selbst mit“, sagt Ströver. „Die typischen Hotelgäste sind sie auch nicht“, sagt Brauer.

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft ist ebenfalls unbesorgt. „So eine Veranstaltung hat, was die Teilnehmerzahlen angeht, auch mal eine Grenze erreicht. Da ist es ganz normal, dass sich das auf einem Mittelwert einpegelt“, sagt Behördensprecherin Brigitte Schmidt. Nach Meinung von Berlin Tourismus-Chef Hanns Peter hat das Spektakel, wie berichtet, bereits seinen Zenit überschritten. Für Christiane Reimann vom Institut für Jugendforschung in München steht indes fest, dass es mit dem Besucherzuspruch weiter bergab gehen wird. „Techno ist nicht mehr die angesagteste Musikrichtung bei jungen Leuten“, sagt sie. „Die, die bei der Love Parade von Anfang an dabei waren, sind Anfang 30, kriegen Kinder und haben andere Interessen.“

Manfred Krug, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, wehrt sich gegen solche Totengesänge. „Die Leute kommen weiter in Scharen. Und vielleicht war es dieses Jahr auch gerade so schön, weil die Enge nicht so erdrückend war. Die Love Parade ist alles andere als überholt.“

Alice Ströver ist da anderer Meinung: „Solange die Love Parade da ist, sollte Berlin offen sein. Doch ich bin dagegen, martialisch festzuhalten an etwas, was sich vielleicht schon selbst überlebt hat.“ jmw

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