Berlin : Es rappelt im Karton

Flugsimulator im Europa-Center: ein kurzes, aber eindrucksvolles Vergnügen

Stefan Jacobs

„Wir bitten Sie, mitgebrachte oder bereits verzehrte Speisen bei sich zu behalten!“ Die Durchsage klingt nach BVG-Bus, wenn der Fahrer spät dran und schlecht drauf ist. In diesem Fall aber schallt sie aus den Bordlautsprechern des Simulators, der seit dem Wochenende vom Dach des Europa-Centers zu Rundflügen durch Berlin startet. Zwar ist die Tour mit dem Hubschrauber nur virtuell, aber dafür reichen fünfeinhalb Minuten für eine Runde von der Havel bis zum Brandenburger Tor – inklusive Flug übers Regierungsviertel.

Dumpf und durchdringend schrappte schon der Rotor aus den Lautsprechern der Panorama-Etage im 20. Stock, als eine himmelblau gewandete Hostess die Passagiere aus der Heli-Lounge abholte und zum Hangar aufs Dach brachte. Es sind nur drei an diesem Montagmittag, die sich auf die 14 Plätze in der Maschine verteilen. Mit Metallbügeln werden sie in den Plastikschalensitzen befestigt, auf dass niemand herausfalle beim Sturzflug vom 90 Meter hohen Dach hinab in die Baumkronen über dem Kurfürstendamm.

Dank Tempo 300 ist nach wenigen Sekunden der Grunewald erreicht, es wird grün vor Augen und gleich darauf blau, während die Kufen mit kurzen Schlägen die Oberfläche der Havel berühren. Im nächsten Moment kreist die Gesellschaft bereits durchs Olympiastadion, um – Achtung, der Rotor! – durch einen der fünf Ringe über dem Eingang himmelwärts hochzuziehen. Auch am Schloss Charlottenburg wird gleich ins Parterre geflogen, einen Augenblick später grüßen Siegessäule und die Nike mit ihrem 4-PS-Gefährt durch die Frontscheibe, bevor es durch einen U-Bahntunnel direkt vom Pariser zum Wittenbergplatz und zurück in den Hangar geht. Ein letztes Rumpeln – die sechsachsige Simulatorhydraulik hat erstaunlich realistische Arbeit geleistet.

Großhirn an Magen: Alles in Ordnung? Die drei Passagiere, Rentner allesamt, klettern zufrieden aus ihren Sitzen. „Da kann man nicht meckern“, sagt einer. „Nu ja“, fügt seine Frau hinzu. „Dem Magen geht’s gut, der Kopf ist schlimmer“, sagt sie. „Ich werd’s im Freundeskreis empfehlen“, sagt der dritte Passagier. Sie einigen sich, dass sie gern länger unterwegs gewesen wären, aber bei einem virtuellen Flug sind halt keine Extra-Runden drin.

Verlängerung ist aber möglich: Das Flugticket berechtigt auch zur beliebig langen Ausschau von der Panorama-Etage über die Stadt. Im Gegensatz zu dem auf Leinwand projizierten Simulatorblick ist die Aussicht aus dem Fenster flimmerfrei und gestochen scharf. Und ein in Ruhe gemümmeltes Sandwich stimmt auch den Magen wieder friedlich.

Tickets: 9,50 Euro (nur Aussicht: 3 Euro). Zugang durchs Europa-Center, täglich 10-22 Uhr, www.heliport-berlin.de

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