• Es sieht so schön nach Herbst aus – aber an 60 000 Kastanienbäumen frisst die Miniermotte

Berlin : Es sieht so schön nach Herbst aus – aber an 60 000 Kastanienbäumen frisst die Miniermotte

Rainer W. During

Der Sommer ist noch einmal zurück gekehrt, die Sonne scheint milde und die Dampfer sind wieder voll. Doch die Kastanien leiden – unübersehbar sind die braunen Blätter. In den nächsten Tagen starten deshalb in vielen Bezirken Aktionen gegen die Moniermotte. Dabei werden auch die Bürger aufgefordert, das welke Laub der Rosskastanien einzusammeln. Sie werden von Sozialhilfeempfängern und jungen Arbeitslosen unterstützt, die im Rahmen von ABM-Maßnahmen stärker als bisher zum Einsatz kommen. Die positiven Ergebnisse aus dem Vorjahr geben Anlass, die Aktivitäten in diesem Jahr auszuweiten und zeitlich zu strecken, sagte ein Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Miniermotte ist zum ernsten Problem für die rund 60 000 Kastanienbäume der Stadt geworden. Drei bis vier Faltergenerationen im Jahr legen bis zu 300 Eier pro Blatt ab. Die Larven zerfressen die Blätter, die von den Bäumen frühzeitig abgeworfen werden. Durch den anschließenden Neuaustrieb werden die Bäume zusätzlich geschwächt. Als einzige wirksame Bekämpfungsmethode gilt das Einsammeln der Blätter mit den Puppen, aus denen im Frühjahr neue Larven schlüpfen würden. In diesem Jahr hat sich gezeigt, dass der Befall der Bäume, unter denen das Laub im vergangenen Herbst eingesammelt wurde, um etwa zwei Drittel geringer war, sagte der Leiter des Reinickendorfer Naturschutz- und Grünflächenamtes, Rüdiger Zech. Erst jetzt, nachdem sie die Kastanien, unter denen nicht gefegt wurde, leer gefressen haben, wechseln die Motten zu bisher gesunden Bäumen.

Die diesjährige Anti-Motten-Aktion beginnt am morgigen Donnerstag im Bezirk Neukölln. Ab 12 Uhr können sich hilfsbereite Bürger am Märchenbrunnen im Schulenburgpark an der Sonnenallee einfinden. Von Oktober bis November werden in Neukölln auch 100 Sozialhilfeempfänger zum Laubsammeln eingesetzt. „Das Wohl der Kastanien ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", erklärte Sozialstadtrat Michael Büge (CDU). Am 23. September gibt es einen Aktionstag im Schusteruspark in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Wir planen verschiedene Aktivitäten über den ganzen Herbst bis in den November hinein", so Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU). In anderen Bezirken wie Friedrichshain-Kreuzberg und Spandau fehlt das Personal für groß angelegte Bürgeraktionen.

Obwohl der offiziellen Startschuss der Aktionen am Montag erfolgt, will Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) Einzelheiten erst am Mittwoch bekannt geben. Erst dann will man auch die Rufnummer einer Hotline veröffentlichen. Besitzern von Privatgrundstücken rät die Senatsverwaltung, das Laub durch die Stadtreinigung entsorgen zu lassen, wo entsprechende Säcke für drei Euro erhältlich sind. Nur hier sei durch die hohen Temperaturen in Großkompostieranlagen ein Abtöten der Larven möglich.

Weitere Infos im Internet unter:

www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/kastanienminiermotte .

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