Berlin : Es war einmal in Mitte

Ob Molkenmarkt, Klosterviertel oder Friedrichswerder: Berlins Planer orientieren sich am alten Stadtbild – und den Investoren gefällt es. Pro & Contra: Soll in der Innenstadt nach historischem Grundriss gebaut werden?

Matthias Oloew

Diejenigen, die in Mitte den historischen Stadtgrundriss wieder erstehen lassen wollen, können sich freuen. Ihnen gibt das Beispiel Friedrichswerder ein nahezu unschlagbares Argument in die Hand. Die kleinen Parzellen, die auf dem Gelände neben dem Auswärtigen Amt angeboten wurden, waren innerhalb weniger Tage weg. Das stärkt Bausenator Peter Strieder (SPD) und Baudirektor Hans Stimmann – und bringt die Mittelalter-Gegner in Bedrängnis.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Ingo Wichmann, Prokurist bei der Deutschen Stadt- und Grundstücksgesellschaft und Leiter des Berliner Büros. Er hat mit dem Liegenschaftsfonds des Landes die Grundstücke auf dem Friedrichswerder zum Verkauf angeboten. Wie berichtet, hatte Strieder das Areal in 48 Parzellen von 116 bis 281 Quadratmetern eingeteilt. Ein Format, das ankam: Binnen einer Woche waren alle Grundstücke verbindlich reserviert. Wichmann ist von der Nachfrage überrascht, denn die Grundstücke sind teuer. Zwischen 681 und 1497 Euro kostet der Quadratmeter. „Die Interessenten sagten: ,Darauf haben wir seit Jahren gewartet’“, sagt Wichmann. Für ihn ist klar: „Da gibt es einen großen Markt, der bisher noch nicht bedient worden ist.“

Auf dem Friedrichswerder sollen so genannte „Townhouses“ entstehen, Reihenhäuser mit kleinen Höfen und Gärten. Im Erdgeschoss sind Büros oder kleine Läden möglich, oben Wohnungen. „Interessenten sind Grafiker, Rechtsanwälte, Architekten oder andere Selbstständige“, sagt Wichmann. Einen ähnlichen Nutzungsmix, ergänzt durch Cafés und Läden, könnte sich Strieders Verwaltung auch am Molkenmarkt und dem Großen Jüdenhof vorstellen. Wie berichtet, sollen das Areal völlig umgekrempelt werden, und auf dem gewonnenen Platz der kleinteilige mittelalterliche Stadtgrundriss wieder entstehen. Ein entsprechender Bebauungsplan ist auf dem Weg. Über den Umbau des Areals besteht weitgehend Konsens zwischen Senat und Bezirk Mitte. Nach den Vorstellungen Stimmanns finanziert sich der Umbau durch den Verkauf der Grundstücke von selbst. Die Erfahrungen am Friedrichswerder stützen die Hoffnung. „Bisher hat es in Mitte keine Möglichkeit gegeben, Grundstücke zu kaufen, um darauf etwas Eigenes und völlig Neues zu bauen“, sagt Wichmann. Auf dem Friedrichswerder müssen Bauherren mit bis zu 800000 Euro rechnen, um ihren Traum umzusetzen. Am Molkenmarkt und dem Großen Jüdenhof dürfte es noch etwas teurer werden. Stimmann will auf dem historischen Grundriss die Jüdenstraße ebenso wie den Großen Jüdenhof wieder entstehen lassen. Die geplanten Häuser sollen jedoch moderne Fassaden erhalten.

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