Berlin : Es wird einmal

Der Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain wird ab Frühjahr für 1,3 Millionen Euro saniert

Helmut Caspar

Seit einem Jahr müht sich der Verein „Denkmal an Berlin“ um die Sanierung des Märchenbrunnens im Volkspark Friedrichshain. Jetzt hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg eine Zusage für die dafür erforderlichen Mittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro erhalten und kann im Frühjahr mit den Arbeiten beginnen. Frühestens im Jahr 2007 könnte die Sanierung dann abgeschlossen sein. Neunzig Prozent des Betrags kommen aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“, den Rest trägt der Bezirk.

Hans Wall, Vorstandsvorsitzender des Vereins und Chef der Wall AG, freute sich, dass „unser noch junger Verein nach der Wiederherstellung des Buttbrunnens auf der Museumsinsel und der Restaurierung des Albrecht-von- Graefe- Denkmals unweit der Charité sein drittes Großprojekt im Bereich der Denkmalsanierung auf den Weg bringen konnte“.

Mit Familienfesten am Tag des offenen Denkmals, Benefizaktionen, Spendenaufrufen, Führungen und Vorträgen habe der Verein auf die künstlerische und soziale Bedeutung des mit zahlreichen Figuren bestückten Brunnens aufmerksam gemacht. Dadurch seien auch Politiker für die Rettung dieses Architektur- und Kunstdenkmals aus der Kaiserzeit sensibilisiert worden.

Ziel der fachlich vom Landesdenkmalamt unterstützten Arbeiten ist die weitgehende Wiederherstellung des 1913 nach Plänen des damaligen Berliner Stadtbaurats Ludwig Hoffmann geschaffenen Brunnens und seines Umfeldes. Außerdem sollen die Wasserspiele wieder zum Sprudeln gebracht werden.

Die Wassertechnik sei intakt, allerdings reiche die Leistung der Pumpe zum Betrieb der großen Wasserfontäne nicht aus, heißt es in einem Gutachten des mit Planungen beauftragten Berliner Architekturbüros Hortec über den aktuellen Zustand des Märchenbrunnens. Die Sanierung schließt die Wiederherstellung der statischen Sicherheit ein und betrifft auch den figürlichen und ornamentalen Schmuck, der zum Teil stark beschädigt beziehungsweise ganz verloren ist.

In der Naturstein Krause GmbH Berlin-Brandenburg, die in Hohen-Neuendorf sitzt, wurden bereits elf Märchenfiguren, darunter Rotkäppchen und der Wolf, Schneewittchen und Dornröschen, nach zuvor hergestellten Gipsmodellen neu in französischem Muschelkalkstein gehauen. Wie der Steinbildhauermeister André Behmann sagt, befinden sich die neuen Figuren und die alten Vorlagen in der Obhut des Grünflächenamtes von Friedrichshain-Kreuzberg an der Landsberger Allee. Sie werden erst dann aufgestellt, wenn die gesamte Anlage gereinigt, saniert und restauriert sein wird und auch das Sicherheitskonzept steht. Selbstverständlich würden alle Figuren einen Graffitischutz erhalten.

Vom Bezirk werden nun Möglichkeiten geprüft, wie der Märchenbrunnen vor weiterer Zerstörung und Schäden durch Graffiti zu schützen ist. Die Rede ist von Überwachungskameras und nächtlicher Beleuchtung sowie dem Bau eines mit Toren versehenen Stahlgitterzauns, vergleichbar mit jener Einfassung, die schon in der Kaiserzeit hinter Buchenhecken stand.

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