Berlin : Ethik-Fach: Kirchen gehen weiter auf Distanz

Schulen befürchten schwindende Nachfrage nach Religionsunterricht

Susanne Vieth-Entus

Nach dem Beschluss des Abgeordnetenhauses zum neuen Fach Ethik sind die beiden großen Kirchen erneut auf klare Distanz zu dem Vorhaben der rot-roten Koalition gegangen. Die Evangelische Kirche will jetzt „hausintern“ prüfen, ob das neue Gesetz überhaupt verfassungskonform ist. Das katholische Erzbistum machte klar, dass es nicht für eine Zusammenarbeit mit den Ethiklehrern bereit steht, solange Religion kein gleichberechtigtes Wahlpflichtfach werde. Unterdessen erwarten die Schulen, dass künftig weniger Schüler als bisher am Religionsunterricht teilnehmen werden, weil sie andernfalls zu belastet wären.

Durch die Streichung des 13. Schuljahres müssen die wegfallenden Unterrichtsstunden auf die Klassen 5 bis 12 verteilt werden. Dies führt dazu, dass beispielsweise die Siebtklässler in Gymnasien, Realschulen und Gesamtschulen künftig 33 Stunden pro Woche haben. An bilingualen oder altsprachlichen Schulen sind es noch mehr. Weitere Stunden kommen für die Schüler hinzu, die an Arbeitsgemeinschaften teilnehmen. Falls sie dann auch noch den Religions- oder Lebenskundeunterricht wählen würden, kämen sie an keinem Tag vor 15 oder 16 Uhr aus der Schule.

„Die Teilnahme am Religionsunterricht wird rapide abnehmen“, prognostiziert etwa Hermann Battenberg, Leiter des Reinickendorfer Friedrich-Engel-Gymnasiums. Seine Schule hätte sich gewünscht, dass es zu einem Wahlpflichtfach kommt und hatte – wie viele andere Schulen auch – einen entsprechenden Antrag bei der Senatsverwaltung für Bildung gestellt. Diese Anträge würden sämtlich abgelehnt, hieß es gestern aus der Verwaltung.

Auch die Gesamtelternvertretung des Gymnasiums Steglitz appelliert an den Senat, nicht am neuen Pflichtfach Ethik festzuhalten, das ab kommendem Schuljahr in den Oberschulen angeordnet wird. Schon jetzt gebe es Äußerungen von den betroffenen Eltern, wonach ihre Kinder „unter der erhöhten zeitlichen Beanspruchung nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen werden“.

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