Berlin : Ethik- und Religionslehrer müssen kooperieren

Bildungssenator stellt Gesetz für neues Fach und Entwurf des Rahmenplans vor – weniger Stunden für Geschichte und Erdkunde

Susanne Vieth-Entus

Das umstrittene neue Unterrichtsfach Ethik nimmt Formen an. Gestern legte Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nicht nur den Entwurf für den Rahmenplan vor, sondern auch den Gesetzentwurf für die notwendige Schulgesetzänderung. Demnach werden die Schulen verpflichtet, im Ethikunterricht mit Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften zu kooperieren. Außerdem kündigte Böger an, dass andere Fächer zugunsten des neuen Fachs Stunden hergeben müssen. Ab Februar sollen rund 400 Lehrer für das neue Fach fortgebildet werden. Sie sollen zunächst die siebten Klassen unterrichten. Später sollen die Klassen acht bis zehn hinzukommen.

Böger wird sich auf etliche Auseinandersetzungen gefasst machen müssen. So sind die Geschichts-, Sozialkunde- und Erdkundelehrer sehr unzufrieden darüber, dass sie zwei Stunden an den Ethikunterricht abgeben müssen. Böger begründete diese Entscheidung damit, dass die Schüler andernfalls zu viel Unterricht hätten: Weil das Abitur künftig schon nach der zwölften Klasse abgelegt wird, muss der Unterricht ohnehin auf 33 Stunden in Klasse 7 und 8 sowie auf 34 Stunden in Klasse 9 und 10 aufgestockt werden. Nur in den Hauptschulen gibt es die Ethikstunden zusätzlich.

Ein weiterer Streit droht mit dem Koalitionspartner. Wie berichtet, wünschen sich PDS wie auch Teile der SPD, dass das neue Fach stärker am brandenburgischen Fach Lebensgestaltung, Ethik, Religionskunde ausgerichtet wird. Laut Böger wollen sich seine Partei und Fraktion „nicht an Begrifflichkeiten aufhängen“. Er wehrte sich gegen den Vorwurf der PDS, wonach sich der neue Rahmenplan zu wenig mit Weltreligionen und interkulturellen Fragen beschäftige. Entscheidend sei, dass die Lehrer von der „Lebenswelt der Schüler“ ausgehen. Dazu gehöre auch, dass sie den Schülern helfen, „mündig“ zu werden und nicht alles hinnehmen, was die Eltern, etwa in Bezug auf die „Familienehre“, verlangten.

Um den Konflikt mit den Kirchen zu entschärfen, ist ihnen Böger mit seinem Gesetzentwurf entgegengekommen: „Im Ethikunterricht sollen Unterrichtseinheiten vorgesehen werden, die in Kooperation mit Trägern des Religions- und Weltanschauungsunterrichts gestaltet und durchgeführt werden“, heißt es im Entwurf. Gefallen dürfte den Kirchen auch der neue Passus, der vorsieht, dass die Eltern von der Schule schriftlich informiert werden müssen, wenn sich ihr Kind vom Religionsunterricht abmeldet.

Damit der Islamische Religionsunterricht auf gutem sprachlichem Niveau stattfinden kann, müssen die Lehrer laut Gesetzentwurf künftig ihre deutschen Sprachkenntnise mit dem Großen Sprachdiplom des Goetheinstituts oder einem „gleichwertigen“ Zeugnis nachweisen. Diese Forderung erschwert es der Islamischen Föderation zu expandieren.

Zunächst sollen die 140 vorhandenen Philosophielehrer Ethik unterrichten sowie rund 270 Lehrer, die im Modellversuch Ethik/Philosophie arbeiten. Sie sollen sich in einem Wochenendseminar fortbilden. Lehrer ohne Vorkenntnisse sollen einen anderthalbjährigen Kurs besuchen. Religions- und Lebenskundelehrern bietet die Schulverwaltung eine halbjährige Fortbildung an. Die Kirchen sehen es mit Skepsis, wenn ihre Religionslehrer Ethik unterrichten würden. Ihren Lehrern im Staatsdienst können sie es nicht verbieten. Anders ist es mit den Katecheten, die Angestellte der Kirchen sind. Die evangelische Kirche hält es nicht für gut, wenn sich die Katecheten, der „Zerreißprobe“ aussetzen, wenn sei beide Fächer unterrichten. Der Sprecher des Erzbistum, Stefan Förner, würde einen „Widerspruch“ darin sehen. Die Kirchen hoffen immer noch, dass Religion neben Ethik gleichberechtigtes Wahlpflichtfach wird.

Der Rahmenplanetwurf im Internet unter www.senbjs.berlin.de

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben